Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 13. Dezember 1943 (Berlin/Dahlem)


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<Stempel: Prof. Spranger
Berlin-Dahlem
Fabeckstraße 13>
17.12.43.
Mein innig Geliebtes!
Dein liebes Weihnachtspäckchen ist gestern eingetroffen; natürlich noch nicht eröffnet.
Gestern, wie immer Punkt 3 Min. vor ½ 20, kam Alarm, der bis 21.15 dauerte. Schon ziemlich im Anfang gab es eine starke Detonation nicht weit von uns; in der Hauptsache schien die Fluglinie nicht direkt über uns zu liegen; es war aber ein Großangriff, das merkte man am ständigen Dröhnen der Fenster. (2 sind gesprungen.) Noch vor Ende des Alarms sahen wir ein großes Feuer genau in der Richtung auf die Wohnung von Glasenapps. Ich hatte mich den ganzen Tag sehr schwach gefühlt, deshalb gingen nur Susanne und Ida, um nach den Damen zu sehen. Inzwischen hatte ich einen Anruf von Frl. Dr.
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| Jung
: es sei eine Sprengbombe dicht bei der Eisenbahnbrücke Univ. – Prinz Friedr. Karlstr. gefallen; Im Seminar die meisten Fensterscheiben entzwei und sonstige kleinere Schäden, kein B[über der Zeile] rand; der Westflügel der Universität brenne. –
Susanne kam mit Frau v. Glasenapp zurück, die sehr verstört aussah. Ihre Wohnung hatte nicht gebrannt, war aber durch die ganz nahe Sprengbombe stark beschädigt (Näheres in der Dunkelheit nicht feststellbar.) Sie wurde in dem Zimmer des verreisten Frl. Hoffmann untergebracht. Als sie zur Ruhe gehen wollte, kamen auch Ibi und ihr Mädchen: wegen Blindgängergefahr Räumung verfügt. So blieben alle 3 über Nacht bei uns. Soviel zur ersten Nachricht.
Lubowski hat mir bei einem anderen Zahnarzt eine Wurzel gezogen. Die Sache hört aber nicht auf zu schmerzen. Kiehms haben nur einen Koffer gerettet. Litts maßvollen Schaden an der Wohnung. 9/10 des Leipziger Verlagsb. zerstört, auch Inselverlag, Quelle u. Meyer, Klotz etc. Dauer der Aktion dort 35 Min.
<li. Rand> Ich muß in die Stadt, wenn Verbindung besteht. Daher heute nur dies mit herzlichsten Grüßen von uns beiden. Dein Eduard.