Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 22. Januar 1943 (Heidelberg)


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Heidelberg. 22. Januar 1943.
Mein geliebtes Herz!
Nur dies Zettelchen als Sonntagsgruß, denn zu längerem Schreiben fehlt Geduld und geeigneter Stoff. Mit Besorgnis sind meine Gedanken bei Dir und ich wüßte natürlich gern, was Kurzrock gesagt hat und ob das Aufstehen wegen der Flieger Dir auch nicht geschadet hat? Es ist höchst wahrscheinlich eine langwierige Sache, die Du Dir da zugelegt hast und man hört immer, daß man sich vor Wiederholung hüten muß. Darum sei ja vorsichtig, und erkläre Dich nicht zu früh für gesund. Auch ich bin noch nicht ganz mit der Stirnhöhlensache zu Ende, obgleich ich garkeine Beschwerden mehr habe. Es ist da immer wieder eine fremdartige Absonderung, die zur Vorsicht mahnt. Ich spüle jetzt mit Kamillentee. - Aber ausgehen muß man bei dem Frühlingswetter, und die Sonne tut gut! Auch Besuch hatte ich: am Sonntag die beiden Drechslers, Mutter u. Tochter zum Kaffee und gestern Hedwig Mathy zum Mittag u. Kaffee (Kartoffelpuffer und geschmorte Birnen!!) Die Birnen und das Ei in die Puffer hatte ich mir durch eine Arbeit in Kunstschrift verdient für Frau Pfarrer Héraucourt, aus einem Brief des gefallenen Bräutigams ihrer Tochter. Es waren sehr schöne Worte, die ich mit innerer Freude und mit Schmerz schrieb - wieder einer um den unser Vaterland ärmer ist. - Zum Lesen im Fontane bin ich noch nicht gekommen - erst habe ich jetzt mit innigen Dank das Bodenseebuch vorgenommen. Das ist so erfüllt von Heimatliebe. - Und vorher las ich noch die Rémusat zu Ende - im Vorgefühl dessen, was im Fontane vom gleichzeitigen Deutschland stehen wird, und mit Grauen wegen der Vergleiche, die sich mit jener Zeit aufdrängen. - Von Bertha von Anrooy hatte ich eine Karte voll Friedenssehnsucht. Wer teilte die nicht. Aber woher soll dies Wunder kommen? Statt dessen kommen täglich neue erschreckende Todesnachrichten. - -
Wenn man gewußt hätte, das es milde wird, hätte ich Dir die 3 Flaschen Weißwein schicken können, die noch für Dich bereit liegen. Aber ich müßte das Kistchen wieder bekommen! Und wie steht es mit der Leibbinde! Kaufen kann man sicher keine echte Wolle mehr, also bitte wende Dich im Bedarfsfalle an mich. - Sehr, sehr herzliche Wünsche für <re. Rand> Eure baldige Genesung und Dir innigen Dank und Gruß von Deiner Käthe.