Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 27. Januar 1943 (Heidelberg)


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Heidelberg. 27. Januar 1943.
Mein geliebtes Herz!
Habe Dank für Deine liebe Karte, die ich mit großem Verlangen erwartet hatte. Und sie brachte mir auch die Gewißheit, daß meine wachsende Besorgnis nicht ohne Grund war. Eine Beruhigung ist mir die gute ärztliche Versorgung, die Du noch zu haben scheinst. Aber natürlich ist es sehr schwer, so in der Ferne Dich krank zu wissen, wo ich doch sonst in solchen Fällen helfend in Deiner Nähe sein durfte. Am liebsten käme ich gleich auch jetzt, aber es ist mir fraglich, ob es erwünscht wäre? Du schreibst, wie anstrengend es für Susanne ist und besonders da auch das Schriftliche mit zu erledigen ist. Ich male mir aus, daß ich - wenn auch kein vollwertiger
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| Ersatz - da einspringen könnte. Überlegt das doch einmal in Ruhe. Ich würde bei Ruges logieren und tagsüber bei Euch "Dienst tun". Wenn ich nicht besorgt wäre, es könne Susanne nicht lieb sein, dann käme ich ohne Anfrage. Ich bin wieder völlig gesund, die Sache mit der Nase war überhaupt nicht schwer, nur lästig und andauernd, aber ohne alle Schmerzen. Bei mir findet die Entzündung immer freiwillig den notwendigen Abzug. - Ich machte gern die Schreibhilfe - so gut ich kann. -
Die Buttermarke, bitte, laß für Dich verwenden. Ich habe ¼ Butter geschenkt bekommen, da kann ich gut die Hälfte davon abgeben. Sonst kann ich ja garnichts tun! Wovon lebst Du überhaupt? Ich wüßte gern, ob ich nicht von hier etwas dafür schicken könnte. Wir sind anerkanntermaßen noch recht gut versorgt.
Ich grüße Dich mit vielen guten Wünschen und denke mit großer Anteilnahme beständig an Euch. Ich wäre dankbar, wenn Susanne mich <li. Rand> kommen ließe und grüße sie vielmals. Von Herzen
Deine Käthe.