Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 3. Februar 1943 (Heidelberg)


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Heidelberg. 3.II.1943.
Mein geliebtes Herz!
Ich danke Dir sehr für Dein liebes, ausführliches Schreiben, umso mehr als ich leider annehmen muß, daß Du es nur mit Anstrengung ausführen konntest. Aber so leid mir dies ist, muß ich mich doch daran erfreuen, weil es mir von Deinem Befinden Nachricht gibt und mich teilnehmen läßt. Sehr froh macht mich vor allem, daß Du endlich ein Gefühl der Besserung hast. Möge es anhalten! Mir ist, als hätte ich an diesen Schwankungen des Befindens unbewußt teilgenommen, denn es hat mich zuweilen die Besorgnis sehr bedrückt. - Daß ich nicht kommen soll, will mir nicht einleuchten, vor allem nicht die Begründung. Ich kann mir ja denken, daß von meiner Hülfe nicht allzuviel zu erwarten ist, weil ich
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| langsam und ungewandt bin, aber selbst Pflege zu haben, brauche ich nicht. Es geht mir außerdem körperlich entschieden gut; ich glaube, daß ich zugenommen habe und daß Mißbefinden seit Weihnachten war durchaus nur lokal begrenzt, und ohne Gesamtwirkung. Es ist alles in Bezug auf Verpflegung so günstig gewesen, daß ich schon länger bei mir dachte: ist es eigentlich ein Vorzug, sich so zu kräftigen, denn wer weiß, ob es wünschenswert ist so lebenszäh zu sein? Und da erschien es mir gerade wie eine Bestimmung, daß ich damit für eine Aufgabe tüchtig sein könnte. Sieh es doch einmal von dieser Seite! Und was die Luftgefahr angeht, so bin ich wohl auch hier nicht sicherer. Denn in unserm Haus ist die denkbar geringste Vorsorge und die Gegend ist schon öfter heimgesucht. Und was frage ich nach Sicherheit für mich, wenn ich immer hören muß, wie Ihr heimgesucht
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| werdet. - Ich wünsche so dringend, daß kein Rückfall komme, aber ich möchte doch trotzdem kommen dürfen. Denn es ist so hart, hier zwecklos dahin zu leben, während man sich einbildet, anderswo könne man nötig sein!
Das andre Wiedersehen, das Du ausmalst, ist freilich fast "zu schön, um wahr zu sein". Aber es ist mir schon eine Garantie für die Zukunft, daß Du solche Pläne hast. Im übrigen hat mich die Lektüre des Fontane darin nicht gerade unterstützt, sondern so recht zum Vergleichen der Zeiten angeregt. Ich könnte diese Menschen geradezu beneiden, um die Aufgabe, die ihnen gestellt war. Im Rückblick wenigstens erscheint es so, als wäre damals die Entscheidung leichter gewesen. Galt es doch eine Fremdherrschaft abzuschütteln, die nur die Oberfläche deckte.
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| Wie lebensvoll sind alle die Menschen geschildert, voll Herzenswärme in ihren Vorzügen und Fehlern. - Gern denke ich an den Anteil an der Erhebung den unsre Familie in der Person meines Urgroßvaters nahm. Es wurde manchmal mit Stolz erwähnt.
Es wäre noch manches zu sagen, auch über das Absagen der Vorlesungen, was ich für sehr richtig halte. Und danken soll ich Dir für Deine Glückwunschkarte an den Vorstand. Wir haben den Geburtstag mit den Schwestern Mathy und Frau Mehner bei Bohnenkaffee und Friedenskuchen gefeiert. - Daß die Buttermarke zurückkam, ist mir sehr leid. Ich habe Überschuß. -
Du wirst noch viel Geduld haben müssen, denn man hört allgemein, daß solche Sache langwierig ist. Übe nur ja die nötige Vorsicht und begehe keine Unvernunft. Und nun für heut nur noch die innigsten Grüße und guten Wünsche. - Grüße auch <li. Rand> Susanne vielmals und frage sie, ob ich nicht irgend etwas hier besorgen kann, was in Berlin schwer zu beschaffen ist? - Darfst Du Kekse essen?
<Kopf>
Immer
Deine Käthe.

[li. Rand S. 1] Vielleicht fahre ich über Sonntag nach Dielbach.