Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 12. Februar 1943 (Ober-Dielbach)


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Ober-Dielbach. 12.II.43.
Mein liebes Herz!
Ganz überraschend kam mir Dein kleiner Brief hierher nach und war mir sehr erfreulich als ein Dokument fortschreitender Erholung. Wegen des Auftrags werde ich mich in Heidelberg umtun, der Erfolg hat leider die Wahrscheinlichkeit des großen Looses. Günstig scheint es mir, daß man sich auch hier in Eberbach deswegen erkundigen will. Also es geschieht das Menschenmögliche!
Ich habe ausgesucht ungünstiges Wetter für den Besuch hier getroffen und es ist nur gut, daß ich garnicht genötigt bin, im Freien zu sein, sondern beinah von Haus zu Haus fahren kann. Wahrscheinlich haben wir schon Aequinoktialstürme, es heult ganz unheimlich Tag u. Nacht ums Haus. Als ich ankam, fiel Schnee, der den ersten Tag sogar mehrere Centimeter hoch liegen blieb. Da ist es umso gemütlicher im Haus und es ist mir so behaglich und wohltuend hier wie immer. Kohlers alle sind diesmal gesund, auch Traudel ist verhältnismäßig wohl, wenn
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| sie auch sehr rasch ermüdet ist und viel schlafen muß. Sie wird leicht blaß und sitzt dann teilnahmslos unter den andern und sinkt in sich zusammen. - Von Walter Hecht erzählte mir Rösel beim letzten Sehen, daß der Arzt geschrieben hätte, es sei längere Zeit recht gut gegangen, aber am Tag zuvor wäre wieder ein Anfall gewesen. Welcher Art solch "Anfall" ist, weiß ich nicht und scheute mich, zu fragen. Ich glaube, es ist eine Depression.
Günther ist noch in Prag. Ich bekam Nachricht von seiner Frau aus München, er wäre viel von Schmerzen geplagt und nach einem Ausgang müsse er sich lange von der Strapaze erholen. Und dabei ist er voll Ungeduld wieder an die Front zu kommen!
Hoffentlich hast Du, mein liebstes Herz, doch die Geduld, Dich gründlich ausheilen zu lassen. Ist das Dr.-Examen schon am vorigen Mittwoch gewesen?! Erzwinge nichts, wir werden unsre Widerstandskraft noch brauchen.
Viel traurige Menschen sieht man auch hier. Die Badischen Regimenter sind überwiegend gelichtet. Eine Nachbarin im Postwagen erzählte mir, daß sie sechs Angehörige in St. habe. - - Am Montag fahre ich wieder zurück. Vielleicht kommt es unterdessen doch noch zu einem Spaziergang. -
Ob Dir das Weißbrot gefallen hat? Hoffentlich war das Päckchen nicht garzu lange unterwegs. Ich wünsche Euch fliegerfreie Nächte und stetig zunehmende <li. Rand> Erholung. Viel herzliche Grüße von Deiner Käthe.
[li. Rand S. 1] Ich soll auch grüßen von der ganzen Familie!