Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 28. Februar 1943 (Heidelberg)


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Heidelberg. 28.II.43.
Mein liebes Herz!
Es ist die höchste Zeit, daß ich Dir einmal wieder schreibe, denn ich weiß garnicht mehr, wann es zuletzt geschah. Vor allem habe Dank für Deinen lieben Brief zu meinen Geburtstag, der mit der ersten Post am 25. als Einziger eintraf. Alles andre kam früher oder später. Das war doch sehr passend! Es ist mir eine rechte Freude, daß Deine Erholung stetige Fortschritte macht und auch, daß Du Dir nicht gleich wieder Unvernünftiges zumutest, sondern die Anforderungen den Kräften etwas anpaßt. Vor allem bleibe auch vorsichtig vor Erkältungen; Du weißt: wer weise, wählt Wolle!
Mich hat die wollne Decke allerdings nicht davor geschützt, daß ich mir am 25. beim Alarm von ½ 11 bis 2 Uhr im Keller einen Rückfall meines Katarrhs geholt habe. Und besonders unangenehm ist dabei, daß er sich vor allem auf die Augen geworfen hat, so daß sie gestern ganz verschwollen und verklebt waren und mich heute noch unangenehm schmerzen. Das hat mich auch gehindert, den langen Brief zu schreiben, den ich vorhatte, denn ich hatte
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| doch viel zu erzählen, Gutes und Minderes, aber mehr Gutes! Denn es ist mir viel Liebes erwiesen und das habe ich dankbar empfunden. Schon Tags zuvor bekam ich zwei schöne Hyazinthen, am Tage selbst eine rosa Azalee und ein Crocustöpfchen, wundervolle gelbe Osterglocken und viele Schneeglöckchen. Es ist ein reiner Blumenladen; an Post kamen 12 Briefe und 8 Ansichtskarten, vom Vorstand das Goethe-Jahrbuch, von Frau Wille: die Erforschung Afrikas von Kurt Hassert; und heute nun noch Eure beiden Bücher, auf die ich mich sehr freue. Leider muß ich alles Lesen jetzt unterlassen, um die Augen zu schonen.
Am Geburtstag kamen vormittags Schoepffers, Rösel Hecht, Frl. Drechsler und da gab es noch mancherlei Nahrhaftes: Honig [über der Zeile] Aepfel, Tomatenmark, Butterfett, [über der Zeile] 3 Eier auch von Dielbach noch Weißbrot und 2 frische Eier. Da ich im ganzen in der letzten Woche 8 Eier geschenkt bekam, habe ich mir erlaubt, die 2 aus Dielbach an Dich weiter zu schicken und bitte sehr darum, sie in Freundlichkeit aufzunehmen. Sie sollen zur Gesundung beitragen. Im gleichen Packet kommen auch die beiden geliehenen Bücher mit herzlichem Dank zurück. Vom Fontane habe ich mich richtig ungern getrennt; das Bienenbuch
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| war auch besonders willkommen durch die gleichzeitige Anregung des hiesigen Vortrags. Wenn ich auch nicht alle Einzelheiten behalten werde, so habe ich doch einmal wieder einen tiefen Eindruck von dem sinnvollen Walten des Lebens empfangen. Und ebenso von der Geduld und mühevollen Arbeit des Menschen diesem Sinn nachzuspüren. -
Für meine Kaffeegäste hatte ich einen großen Friedensnapfkuchen nach gutem Rezept ohne Ersatzstoffe gebacken und erntete damit großen Beifall und Absatz. Es kamen die Töchter Mathy, (Hedwig und ihre Schwester Frau Franz), Frau Buttmi und der Vorstand, die ich holte und die Frau Buttmi dann nach Haus brachte. Es war ein besonders nettes Zusammensein, denn alle sind ja ungefähr in der gleichen Stimmung.
In dem Afrikabuch ist ein Mann gar nicht erwähnt, nach dessen Namen ich Dich fragen möchte; ich hörte auch hier einen Vortrag von ihm und er hat besonders die afrikanische vorgeschichtliche Kultur, (etwa unsre Steinzeit) ans Licht gefördert. Wie heißt er nur? Von den Auswärtigen hat mich ("der alte Knarx") mein Vetter Heinrich Eggert wieder mit einer Schachtel Printen erfreut (das Kästchen hat gleich für die Eier herhalten müssen) und dann ein
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| Brief von Günther, der vermutlich inzwischen in Berlin war, um Carl Ruges Freund, den Chirurgen Bange zu konsultieren. Denn es scheint mit ihm noch garkein rechter Fortschritt zu sein, und jeder Arzt gibt ihm andre Auskunft. Vielleicht ist ja auch da nichts Gutes zu sagen! - Mädis Jüngster soll nach Aussage meiner Schwester "ein reizender kleiner Kerl" sein; ihr Mann ist nach Brüssel gekommen zum Kartenzeichnen. Zum Glück nicht in die Infanterie. - Eine völlige Überraschung war es, daß nach vielen Jahren Nachricht und Glückwunsch kam von einer Geroldschen Enkelin, ehemahls Lieschen Kortkampf, jetzt Frau Siemssen in Baumholder. Das ist eine Beziehung aus der Kindheit und Backfischzeit. Und schon die Großeltern waren befreundet. -
Von Arnold Bork wirst Du häufiger jetzt besucht. Ist das nicht ein Gewinn? Mir ist er sehr sympatisch wegen seines Beitrags in der Denkschrift. - Wie geht es dem Arm von Frau v. Glasenapp? Maria Buttmi hat beide Knochen im Handgelenk gebrochen, aber kaum Schmerzen gehabt. Gestern sollte der Gyps abgenommen werden. Ich bin aber noch nicht dagewesen, wie es nun steht? - Jetzt aber will ich Schluß machen, denn ich kann nicht mehr gucken. Sei herzlich bedankt und vielmals gegrüßt; sage auch <li. Rand> Susanne vorläufig von mir Dank und Grüße. In stetem Gedanken Deine Käthe.