Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 7. März 1943 (Heidelberg)


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Heidelberg. 7.III.43.
Mein geliebtes Herz!
Das war wirklich ein rechter Trost, daß Dein lieber Brief so bald kam, denn ich war natürlich in großer Sorge. Ich bin Dir sehr dankbar dafür, auch für den zweiten mit allen ausführlichen Nachrichten. Ja - wir können wirklich von Glück sagen bei diesem Ausmaß von Zerstörung, daß Ihr so davon gekommen seid. Es muß eine ganz furchtbare Nacht gewesen sein und ich begreife, daß Du noch tagelang davon angegriffen warst. Ich bin voll Bewunderung für die Tatkraft Eurer Ida, die sich so erfolgreich bewährt hat. - Wie es scheint, waren die Brandbomben diesmal von der weniger bösartigen Sorte. Es soll welche geben, die mehrmals explodieren, und weiter springen. - - Was magst
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| Du noch von sonstigen Bekannten erfahren haben? Bedenklich scheint mir auch der Erfolg der Augenoperation des Generals v. Voß; hoffentlich war die Heilung schon so fortgeschritten, daß die unvermeidliche Erregung nicht mehr geschadet hat. - Und Frl. Jung ist wirklich eine Heldenjungfrau. Wieso kam sie mit Prinz August Wilhelm zusammen?
Ist Herr Henning nicht von Beruf Schreiner? Da kann er wohl den Fensterrahmen wenigstens notdürftig herrichten!
Als auch Dein 2. liebes Schreiben gekommen war und noch immer keine Nachricht aus der Kurfürstenstraße, habe ich dort antelefoniert. Es ist ihnen aber nichts passiert. Inzwischen kam dann auch eine Karte, auf der unter anderem steht, daß meine Schwester half Möbel schleppen, und daß sie ein kleines Mädel von 1¼ Jahre im Hause haben. Auch fragt sie mich nach Eurer Telefonnummer für einen vorkommenden Fall etwaiger Hülfeleistung. Aber das wollen wir nicht hoffen?
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Bei uns ist nun beginnender Frühling, und ich war an jenem 2. März gerade zum erstenmal wieder im Neckartal bei entzückendem Wetter. - Da mir aber trotzdem noch immer allerlei Mißbehagen anhaftete, ging ich gestern zu Frl. Dr. Clauß, und sie hat mich wie immer sehr genau untersucht und beraten. Wie das zu sein pflegt, war wohl gerade der Höhepunkt überschritten und heute sind bereits die Schmerzen im Hals und Zunge fast vorbei, aber ich bin doch froh über ihre Verordnung, da sie das Ganze auf Fettmangel, d. h. Stoffwechselstörung schob und mir Vitamin C und - Lebertran! aufschrieb. Ist das nicht lustig? Wie nimmst Du ihn denn? Ich schlucke ihn au naturel und bin sehr befriedigt davon. - Und Deinen Ratschlag betreffs der Augen hatte ich schon am vorigen Montag befolgt, also am bewußten 1.III.! Ich habe
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| dieselben Tropfen bekommen, die mir Dr. Cibis aufschrieb, aber eine andre Brille. Hoffentlich ist die nun wirklich besser, wenn sie in etwa einer Woche von Zeiß kommt. - Ich ging diesmal nicht in die Klinik, wo man ja jedesmal einem andern Herrn in die Hände fällt, sondern zu Prof. Serr den ich von früher kenne, wo er hier Assistent und in Jena wissenschaftlich tätig war.
Also auch mit der "Erziehung" soll es nun zu Ende gehen! Ich finde Deinen Entschluß das einzig Mögliche und bin überzeugt, daß seine Ausführung notwendig wird. Es muß eben alles bis aufs Letzte zerstört werden. Und dann? Aber wann??
Ist denn mein Päckchen nun angekommen? Ich will doch sehr hoffen. Es ging am 27.II. ab.
Ich grüße Euch herzlich und bin sehr froh, Euch relativ davon gekommen zu wissen. Möge es nicht wieder nötig sein, sich um Euch zu sorgen! Laß die Frühlingssonne Dich wärmen und Dir neue Kräfte geben. Erzwinge die Arbeit nicht, ehe Du frisch bist!
<li. Rand>
In stetem Gedenken
Deine Käthe.

[li. Rand S. 3] Ich habe vergessen, wer ist Najdanovič? Frobenius ist der richtige Name.