Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 29. März 1943 (Heidelberg)


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Heidelberg. 29.III.43.
Mein geliebtes Herz!
Erst heute erfahre ich von dem schweren Angriff auf Berlin am 27./28.III. Wie sehr bin ich in Sorge und hoffe nur, daß Du wieder so barmherzig warst, mir gleich Nachricht zu geben. Denn natürlich warte ich sehr; das kommt davon, daß Du mich beim letztenmal verwöhntest! Was wird das wieder für eine schlimme Nacht gewesen sein! Ich wollte nur, Ihr könntet von Berlin fortgehen, solange diese ständige Bedrohung besteht. Denn auch in der Zwischenzeit haben ja die Nerven keine Ruhe, da man immer in der Ungewißheit lebt.
Und hier ist es nun schon geraume Zeit so ruhig, daß man garnicht an die Gefahr denkt. Auch für Euch war ich diesmal nicht besorgt, sondern hoffte, der Engländer wäre
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| damit zufrieden, Euch in Unruhe versetzt zu haben. Wie soll das weitergehen? Ich sorge mich sehr!
Und dabei ist hier jetzt ein so bezaubernder Frühling. Es ist ein Reichtum an Blüten, der sich zur Sonne drängt, daß man meint, so üppig sei es noch nie gewesen! Oder denkt man das jedes Jahr? Ungestört hat sich diesmal alles langsam entwickelt und nun ist kein Aufhalten mehr. Dabei ist es in der Tat sehr früh für die Blüte, die wohl in 8–10 Tagen auf der Höhe stehen wird. Möge es nicht erfrieren, denn wir brauchen es ja so nötig! – – Aber solche Sorge ist im Augenblick nicht das Dringendste. Immer wieder lese ich die Notiz in der Zeitung über den Angriff auf Groß-Berlin und kann doch garnichts davon entnehmen. Da heißt es wieder einmal: warten!
Ob die Situation derart ist, daß Du Lust und Stimmung hast, Lili Scheibe zu gratulieren? Sie wird am I.IV.  70 Jahre. (Halle o/S. Lindenstr. 4) –
Für heut nur diesen kurzen Gruß, der Dir sagen soll, wie ich Dein gedenke. Grüße auch Susanne herzlich.
Deine Käthe.