Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 2. April 1943 (Heidelberg)


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Heidelberg. 2.IV.43.
Mein geliebtes Herz!
Es ist ja unerhört, daß ich Dir nicht die Ankunft des wichtigen Briefes gemeldet habe. Die Sorge wegen des Luftangriffs hatte jetzt bei mir den Gedanken daran ganz verdrängt. Überhaupt hatte ich eigentlich sofort schreiben wollen, hatte Dir sagen wollen, wie richtig Du mich beurteilt hast, denn mein erster Gedanke beim Anblick des Couverts mit der Aufschrift war: wo soll ich das nur sicher aufbewahren?! Da war mir Deine Auskunft darüber recht beruhigend und ich verstaute es sofort an der Stelle, wo bisher immer der alte Umschlag mit den 2 Nachträgen war. Jetzt besteht nur immer noch die Schwierigkeit, diese [über der Zeile] alten Sachen entsprechend zu vernichten. Ich will versuchen, sie bei Buttmis in der Centralheizung un
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|eröffnet zu verbrennen. Augenblicklich ist dort nur Besuch, sodaß ich es vermeide, hinzugehen. Der neue Umschlag steckt nun mit allerlei Wichtigem und mir Wertvollem in der Reisetasche, die immer mit in den Keller wandert. Welches Schicksal dem Ganzen blühen wird – – wer weiß! – Im Übrigen aber hoffe ich ja von ganzem Herzen, daß ich nie in die Lage komme, von dem Dokument Gebrauch zu machen. Das wird mir das Schicksal hoffentlich nicht antun! – Auch das hatte ich Dir schreiben wollen, daß Du nicht die geringste Sorge zu haben brauchst, ich sei knapp daran mit Geld. Auf einem Sparkassenbuch sind 3600 M und auf dem andern 1110 M. Außerdem habe ich monatlich 37,20 M Altersrente und heut von den alten Staatspapieren 90 M Vorzugsrente. Die 50 M der Berliner Stiftung sind noch ausgeblieben und stattdessen kam seit Jahren mal wieder 70 M Nießbrauch von Tantchens persönlichem Gelde. – Verbrauchen tue ich durchschnittlich 150 M
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| im Monat, und da sind immer die kleinen Auslagen für Dich einbegriffen. Denn in der Hauptsache ist es ja doch Dein Geld. Aber wenn Du es genau wissen möchtest, die Kaffekanne hat 3,75 M gekostet und 1,75 Porto. Doch schicke das, bitte, nicht extra. Lieber wüßte ich gern "ehrlich", was eigentlich Susanne dazu gesagt hat? Ich glaube, sie hat ihr recht mißfallen.
Daß Du mit dem Elsässer Wein zufrieden warst, hat mich erfreut. Jetzt habe ich noch 3 Flaschen von der andern Firma, und würde sie gern schicken, wenn ich das Kistchen wieder bekäme. 3 Flaschen gehen gut hinein, für 4 war es wohl ein bißchen knapp.
Deine liebe Karte heut war mir eine rechte Erlösung aus der steigenden Unruhe. Denn neulich hattest Du so rasch geschrieben, daß ich eigentlich anfing, ein übles Hindernis zu fürchten. Es war mir nur tröstlich gewesen, zu hören, daß die Sache im Ganzen nicht so schwer war, als [über der Zeile] wie neulich. Aber es kann ja
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| rotzdem ein Einzelner großes Mißgeschick haben. So ist z. B. dem ältesten Bruder von Hedwig Mathy die Wohnung total ausgebrannt. Die Frau war zufällig den Abend bei ihrer Schwester und hat nur gerettet, was sie anhatte. Auch ihr sehr geliebter Hund ist mit verbrannt, da ihn niemand befreite. – Hedwig Mathy hatte einen Porträt-Auftrag, der ganz prachtvoll gelungen ist. Es ist ein Syndikus der Göring-Werke aus Dahlem, mit Namen Ploch, mit dem sie sich auch sehr gut unterhielt und dabei allerlei Interessantes erfuhr, im Sinne der Mittwochsgesellschaft. Ob Dir der Mann mal irgendwie begegnet?
Für heut will ich nur rasch den Brief noch fortbringen, daß er morgen früh um 6 aus dem Kasten kommt. – Wie leid ist es mir, daß ich nicht für Dich tippen kann, um Dir ein wenig zu helfen. – Und verzeih mir meine Gedankenlosigkeit. Sie ist leider ein Zustand, keine Ausnahme. Vielleicht helfen die Vitamine etwas dagegen!
Grüße Susanne und sei selbst innig gegrüßt. Der Himmel behüte Dich! Deine
Käthe.