Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 18. Juli 1943 (Heidelberg)


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Heidelberg. 18. Juli 1943.
Mein geliebtes Herz!
Ein stiller Sonntag geht zu Ende, aber vorher soll doch ein Gruß an Dich, mein liebstes Herz, abgehen. Gestern fand ich als ein willkommenes Symbol die schöne Häherfeder, die an unser erstes Zusammensein gemahnt. Möge sie uns gleich gehaltvolle Stunden auf der Reichenau verheißen! Sie war die einzige Ausbeute von unsrer Wanderung nach Gaiberg, die uns eigentlich Kirschen einbringen sollte. Aber damit war es nichts. Doch war bei dem herrlichen Wetter die Wanderung ein großer Genuß, und die Prosa war durch ein gutes Mittagessen beim "Gaul" und durch viel Waldhimbeeren an allen Wegen reichlich vertreten. – Daß meine Sendung an Euch so unbrauchbar ankam, ist mir eine große Enttäuschung. Die Stachelbeeren waren tadellos, noch nicht ganz reif und sorgsam verpackt. Alle Leute schicken sie so. Erst
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| heute hörte ich bei Frau Dr. Deetjen, die viele Obstkörbe so verschickt, daß es gut möglich ist. Man muß sie wohl auf Eurer Post besonders schlecht behandelt haben.
Im Übrigen hat sich nichts Wesentliches hier ereignet. Aber von meiner Schwester bekam ich Nachricht, daß ihr Mann mit Lungenentzündung im Krankenhaus liegt. Die Krankheit bestand seit 5 Tagen, als meine Schwester schrieb und schien sich zu bessern, denn das Fieber ging zurück. Leider hörte ich inzwischen noch nichts wieder darüber.
Auch Arbeit in der Augenklinik hatte ich wieder. Merkwürdigerweise die gleiche sonst seltene Erkrankung wie der letzte Fall. Es ist ganz gut gelungen, aber meine Augen nimmt es doch jetzt recht mit. –
Ich bin dabei, Beethovens Briefe zu lesen (Leitzmann) aber ich komme langsam vorwärts, weil ich abends immer so müde bin, daß ich bald einschlafe. Wir haben wundervolle Sommertage und die Welt könnte so schön sein! Was wird heute Nacht an die Reihe kommen?
<li. Rand S. 2>
Mit innigen Grüßen denke ich Dein und wünsche Euch ungestörte Nächte.
Deine Käthe