Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 12. August 1943 (Heidelberg)


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Heidelberg. 12. Aug. 1943.
Mein geliebtes Herz!
Es tut mir sehr leid, daß ich nicht gleich nach den beiden Alarmnächten an Dich schrieb. Aber wir waren direkt so garnicht von der Sache berührt, daß ich meinem Brief vom Montag [über der Zeile] 9.8. nicht so rasch wieder einen nachschickte. Aber in Mannheim ist es schlimm zugegangen und die Flucht von dort dauert an; es strömt in Omnibussen und Bahnen (soweit verfügbar) in den Odenwald. Unser vorgeschriebenes Gebiet ist Gaiberg – und eigentlich ist ja durch die Entwicklung der Lage meine Anfrage an Dich wegen Eures Herkommens erledigt. Daß Ihr Euch entschlossen habt, Berlin zu verlassen ist mir eine gewisse Beruhigung. Um eine ausdrückliche Erlaubnis dafür kann es sich unter diesen Umständen ja
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| nicht mehr handeln, wenn das Verlassen der Stadt von oben her empfohlen wird! Es wird niemand zum Vergnügen tun, und seinen Besitz schutzlos zurücklassen. Denn was dann für Publikum sonst zurückbleibt, kann sich ja jeder denken. –
Du hast sehr recht, jetzt muß sich die Weltanschauung bewähren. –
Es ist mir sehr leid, daß ich mich durch Dein Abwehren bestimmen ließ, auf die Reise nach Berlin zu verzichten. Es wäre doch ein Notbehelf gewesen. – Aber seltsam ist es doch auch, wie immer gleichzeitig dieselben Gedanken bei uns zur Reife kommen. Sofort als von der Räumung Berlins die Rede war, fühlte ich, daß Ihr unbedingt fort müßt. Und so ist in mir die Sicherheit eines Verbundenseins über die Entfernung hinweg, und Du mußt Dir auch um mich keine Sorge machen. Was auch geschehe, meine Seele ist bei Dir und nichts kann uns trennen. – Möget Ihr in Freienwalde ein sicheres Unterkommen <li. Rand> gefunden haben. Ich grüße Euch herzlich.
Immer
Deine Käthe.