Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 6. September 1943 (Heidelberg, Briefkarte)


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Heidelberg. 6. Sept. 1943.
Mein geliebtes Herz!
Heute nacht war wieder ein ganz schwerer Angriff auf Mannheim. Näheres weiß ich noch nicht, will aber doch lieber gleich an Dich schreiben, um Dir zu sagen, daß hier nichts passiert ist. Wir sahen den Phosphor glühendrot und silbern in Mengen fließen und der Himmel war über Mannheim ein Lichtmeer.
Seit dem zweiten Angriff auf Berlin hörte ich noch nichts von Dir, und gestern erfuhr ich vom Hauswirt, der wieder "auf der Durchreise" hier ist, daß er dort
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| einen dritten, besonders schweren Angriff miterlebte. Gott gebe, daß Ihr wohlbehalten in Schloß Hardenberg seid und daß das Haus verschont blieb. Aber wenn das so weiter geht, wagt man kaum noch zu hoffen. Ob Du von Müncheberg aus zu Deiner Arbeit täglich in die Stadt fahren könntest? Aber die Bahnen werden kaum funktionieren. Die S-Bahn soll bereits unterbrochen sein. Ach, wie schwer ist es, so in der Ferne zu bangen! – Herzliche Grüße an Susanne und Dich. Hast Du eine Karte und Brief in H. erhalten?
In ständigem Gedenken und mit innigen Wünschen
Deine
Käthe.