Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 10. September 1943 (Heidelberg)


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Heidelberg. 10. Sept. 1943

[von fremder Hand:] am 13.9 erhalten
Mein geliebtes Herz!
Wie froh war ich, als endlich Deine Karte von Schloß Hardenberg kam. Trotzdem ist mir doch so, als ob Du mir räumlich unerreichbar wärest. Dazu die quälende Vorstellung, daß ihr nun vermutlich wieder in Berlin sein müßt! Gib mir doch, bitte, bald mal wieder Nachricht. – Ich schicke jetzt dieses Päckchen, um festzustellen, ob eine direkte Verbindung wieder möglich ist. – Uns hier umgibt eine stetig wachsende Menge von Mannheimer Flüchtlingen und viel kümmerlich beförderte Habe. In Mannheim selbst ist in den vorläufig bearbeiteten Bezirken kein unerfaßtes Haus und sonst
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| gibt Dir der Zeitungsausschnitt ein Bild.
Was magst Du von meinen Briefen bekommen haben? Ich schrieb nach Freienwalde 3 Tage vor dem 31. einen mißgestimmten Brief. Nach der Karte von W.-Hilsbach noch 2 Briefe nach Schloß Hardenberg, der letzte wieder mit einer Feder, vermutlich vom Raubvogel!
Heute also nur innigste Grüße und viele gute Wünsche für Euer Wohlergehen. Man ist wie auf einem Schiff im Orkan. – Der Vorstand ist noch bis jetzt im Heim, von Wiesbaden kommt keine Antwort. – Mit dem Herzen Dir nahe, wenn auch äußerlich in der Verbannung – immer
Deine
Käthe.