Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 15. September 1943 (Heidelberg)


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Heidelberg. 15. Sept. 1943.

[von fremder Hand] erhalten 18.9
Mein geliebtes Herz!
Dein Brief vom 9. Sept. gab mir ein Bild des schönen Aufenthaltes, den Ihr in Schloß Hardenberg erlebtet, und die Ansichtskarte ergänzte Deine Schilderung fürs Auge. Es ist wohltuend, zu denken, daß es solche Zufluchtsorte für friedliche Menschen noch gibt und auch beruhigend für mich, daß es Euch jederzeit wieder offen steht. – Daß es für Dich trotz allem eine gewisse Beschwerde war, verstehe ich gut; aber trotzdem wird es doch ein wenig Ruhe gebracht haben, durch all die erfreuenden Eindrücke. War das dort wohl die in Marienbad vergeblich gesuchte Ulrike?? –
Inzwischen sind nun die Ereignisse mit Sturmschritten weiter geeilt. Man kommt sich vor wie in einem spannenden Drama, und möchte sich fragen, ob bei diesem Schauspiel rührender Freundestreue nicht auch der König als Dritter im Bunde sich melden wird?
Was den Vorstand betrifft, so ist da von Seiten ihrer Familie weniger von Treue die Rede. Auf
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| meinen Brief, der Winters die drohender Übersiedelung meldete, blieb ich 8 Tage ohne Antwort. Nun hat Frau Mehner (eine Cousine 3. Grades) bei ihnen antelephoniert und erfahren, daß angeblich ein Brief an mich unterwegs sei, der meldet, daß sie Tochter und Enkelkinder im Haus hätten und das Heim würde schon weiter für Aenne sorgen. –  –  –
An Exc. Seitz zu telegraphieren war die Zeit zu knapp. (Ich hätte eigens in die Stadt fahren müssen, und bei mir hatte sich Dr. Henning angesagt, der obdachlos ist und seine geretteten Möbel in einem offnen Schuppen stehen hat. In ganz Heidelberg ist kein Raum mehr zu haben und immerfort sieht man noch gerettetes Gut auf offnen Wagen fahren). Ich habe also am 10. ein paar Glückwunschzeilen in Briefform geschickt, bezugnehmend auf Deinen eben erhaltenen Brief.
Was nun die Beilage zu diesem Brief betrifft, so sei bitte, mal nicht ungehalten. Ich habe die Marken geschenkt bekommen, und teile nur mit Dir den Überschuß. Ich selbst nehme noch mehr, nämlich 250 gr. in die neue Epoche mit herüber. Also, bitte, genieße dies mit freundlichen Gedanken an mich, und setze es in unerschütterliche Hoffnung um.
Grüße Susanne herzlich und sei selbst in Treue gegrüßt
von Deiner Käthe.