Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 22. September 1943 (Heidelberg)


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Heidelberg. 22. Sept. 1943
Mein geliebtes Herz!
Erinnerst Du Dich noch an die schwarze Mappe, die Du mir damals zu Weihnachten schenktest im Jahre 1905? Ich hatte sie immer gut aufgehoben, denn sie war mir lieb und heilig. Jetzt kam sie mir unvermutet in die Hände, als ich die Pakete, die einmal bei Euch Zuflucht suchten, für Dielbach umpackte. Da schlug ich die Blätter auf, und konnte nicht aufhören, weiter zu lesen. Es war mir eine ganz neue Offenbarung, daß damals schon auch in Dir die ganze Gewißheit dessen lebte, ein Wissen um
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| das, was wir uns sein sollten. Der ganze Gehalt dieser 40 Jahre, die ganze Lebensfülle überflutete mich mit ihrem zeitüberlegenen Glück, das mir auch aus Deinen lieben, letzten Briefen entgegen klang.
Ich möchte Dir noch viel schreiben, aber das Päckchen mit den Zeitlosen muß fort, damit sie frisch bei Dir ankommen. Ich holte sie bei Regen aus dem Siebenmühlental. So soll also heute nur der kleine Auszug aus Deinen Worten von damals Dich begrüßen und Dir besser sagen, als ich es kann, was Du bist und mir bist!
Deine
Käthe.