Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 24. September 1943 (Heidelberg)


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Heidelberg. Freitag.
24.9.43.
Mein geliebtes Herz,
laut Vereinbarung will ich Dir nur rasch einige Zeilen schreiben, damit Du nicht denkst, es sei mir etwas geschehen. Du wirst aber wohl aus der Zeitung erfahren, daß Mannheim betroffen ist, und wie es scheint, endgültig. Es dauerte nur von 10–12 ½ , aber es war gründlich. Gegen 7 Uhr war nochmals Alarm, aber vermutlich war es nur ein Störflieger, der sich den Erfolg besah. – Frl. Mathy, bei der ich heute war, hat ihre Schwester unter den nun Obdachlosen, nachdem sie ihr noch gestern half, die Wohnung nach den bisherigen Angriffen anders zu ordnen. Jetzt ist das unnötig gewesen. Und die Schwester hat sich an Glassplittern die Hand so verletzt, daß sie hier in Heidelberg bei der andern Schwester, Frau Franz, mit einem Verband zu Bett liegt.
Mein Brief mit den Zeitlosen wird Dich
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| hoffentlich heil angetroffen haben. Es ist ja nicht anzunehmen, daß gleichzeitig zwei so schwere Angriffe stattfanden. Von meiner Schwester hörte ich gestern, daß sie seit dem 15. in Berlin sind und seitdem 4x Alarm hatten. Davon merkt man hier natürlich nichts.
Es ist kühl und regnerisch, aber noch wechselnd, im ganzen aber ausgesprochen herbstlich. Wenn es weiter so energisch mit den nächtlichen Besuchen bleibt, dann hoffe ich von Herzen, daß Ihr von der Einladung nach Hardenberg Gebrauch macht. Ich fürchte nur die verfluchte preußige Pflicht und Schuldigkeit hindert Dich daran.
Nimm heute mit diesen eiligen Zeilen vorlieb und sei mit Susanne herzlich gegrüßt. In sorgender Liebe immer in Gedanken bei Dir
Deine
Käthe.