Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 26. November 1943 (Heidelberg)


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Heidelberg. 26.XI.43.

[von fremder Hand] Erhalten 29.XI
Mein geliebtes Herz!
Zu meiner Beruhigung kam gestern Dein lieber Brief vom 22., aber kurz darauf leider die Nachricht, daß am 23. wieder ein starker Angriff stattfand. Hoffentlich gibst Du mir auch davon Nachricht! – Von meiner Schwester habe ich leider noch nichts. Weißt Du etwas über die Stadtgegend dort? Wenn ich bis Sonntag nichts höre, will ich versuchen zu telefonieren.
Wir hatten gestern [über der Zeile] 25., und hatten soeben [über der Zeile] 26 (von 19,45 bis 21 etwa) Alarm und es wurde geschossen, einmal war auch in größerer Nähe eine starke Detonation, aber einen wirklichen Angriff haben wir noch nicht erlebt. Ich kann darum auch nicht darüber urteilen, wie es mir zu Mute sein würde dabei. Vorläufig wenigstens habe ich noch nicht einmal Herzklopfen,
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| sondern suche nur mit möglichst wenig Behinderung dabei wegzukommen. In den Keller würde ich nur gehen, wenn es wirklich in die Nähe käme. – Wir haben eben das Schreckliche noch nicht selbst erlebt. – Was es mit dem Erdniveau auf sich hat, weiß ich nicht. In unserm Hause ist das sehr unterschiedlich durch die Lage am Berg. Nach der Ebene zu ist der Ausgang ebenerdig. – Gestern soll es Frankfurt getroffen haben. Und wie es in Berlin gehaust hat, hörte ich noch nicht. Durch die Erwähnung der Kunstwerke vermutete ich die Stadtmitte, aber es kann ja auch andere Stellen betreffen, z. B. Euer Museum, dessen Nähe mir schon lange unerwünscht ist. – Heute nur den herzlichen Dank – Dir für Deine geschwinde Nachricht, und dem Himmel, der Euch vor Schaden bewahrte. Ich wollte, Ihr ginget jetzt nach Schloß Hardenberg! Schon der Nerven wegen. – Innige Grüße.
Deine Käthe.

[li. Rand S. 1] Die Sache mit der Verschickung des Vorstandes ist jetzt akut. Man spricht von einem Schloß Gonzenheim bei Bretten. Es ist aber noch nichts entschieden.