Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 8. Dezember 1943 (Heidelberg)


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Heidelberg. 8. Dez. 1943.
Mein geliebtes Herz!
Das ist nun die Folge davon, daß Du mich so mit Briefen verwöhnt hast, jetzt ängstige ich mich natürlich sehr, da ich seit dem angeblichen Angriff auf Berlin vom 3.–4. Dez. noch nichts von Dir hörte. Heute morgen kam ein Brief meiner Schwester, vom 4., die schreibt, daß sie nur infolge des Wehrmachtsberichtes gleich schreibt. Sie müssen sich also dort nicht bedroht gefühlt haben. Mir hat es schon lange Sorge gemacht, daß die Gegend um Euch so von Luftminen heimgesucht wird. Ich hoffe nun zwar im Herzen, daß meine Besorgnis unnötig ist, aber sie ist wohl natürlich. Ich wundere mich eigentlich immer im Stillen über die unverwüstliche Hoffnungsgewißheit, die doch die Oberhand behält. So denke ich, wird wohl nur die gestörte Postverbindung schuld sein und
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| warte, warte von einer Briefpost auf die andere.
Von Elsbeth Gunzert hatte ich einen großen Brief. Sie konnten aus dem brennenden Hause ihre Möbel retten und in einer Garage unterstellen. Inzwischen hat hier die Schwägerin durchgesetzt, daß sie die Wohnung der Mutter behalten dürfen.
Mit der Aussicht, für den Vorstand ein gutes Unterkommen hier zu finden, ist es nichts. Ich habe einen Vormittag lang vergeblichen Versuch gemacht. Leider ist sie augenblicklich bettlägerig, und Frl. Dr. Clauß hat ihre Schmerzen für Ischias erklärt. In gewisser Weise ist diese gezwungene Ruhe vielleicht ganz gut, denn sie war bisher von einer schrecklichen Unruhe und konnte nie mit sich allein sein.
Wir haben immer noch viel ungestörte Nächte und bekommen auch wieder ununterbrochen Kochgas. Aber wir bangen uns täglich beim Aufwachen: wo werden sie heut wieder gewesen sein? – Ob im Inselverlag Deine lieben Goethebücher mitgetroffen wurden? Hier sind sie trotz <li. Rand> dauernder Nachfrage nicht aufzutreiben. – Mit Bedauern denke ich immer an Eure gestörte Nachtruhe; besonders Susanne braucht doch viel Schlaf.
<Kopf>
Viel innige Grüße in Sorge und Liebe.
Deine Käthe.

[li. Rand S. 1] Meine Schwester schreibt, daß Inge und Hilde sich verlobt haben; es seien etwas viel Ereignisse auf einmal. Aber beide Männer gefallen ihnen. Der erstere ist Oberfeldmeister beim R.A.D.<Fuß S. 1> der von Hildchen, (der Fliegerwitwe) Medical-Praktikant bei Carl. Sie heißen Heinz Gronstedt und Ulrich Bauer.