Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 30. Dezember 1943 (Heidelberg)


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Heidelberg. 30.XII.43.
Mein liebstes Herz!
Falls im Bericht wieder mal Mannheim erwähnt werden sollte, will ich Dir rasch nur einen kurzen Gruß schicken und sagen, daß es uns nicht betroffen hat. Aber tüchtig gedröhnt haben die Bomben wieder. Ich war beim Vorstand heut um ¾ 12; in einer Pause machte ich mich aber auf den Weg nachhause, und die Landstraße war so belebt wie sonst jetzt nie. Alles strebte nach dem Mittagessen. – Nicht sehr weit von der Markscheide fing ein neuer Angriff an und ich hatte einmal das Gefühl, noch den Luftdruck einer starken Mine bis hierher zu spüren. Heute nachts um 4 Uhr war bei uns nur Voralarm, wie immer schlief ich (angezogen) weiter. Aber wer weiß, ob sie nicht wieder bei Euch gewesen sind? Natürlich bin ich wieder recht in Sorge. – Von dem letztenmal, wo sie in Grünau etc. waren, hatte ich Deine Karte von 24. [über der Zeile] Berlin SW am Montag früh d. 27, dagegen den Brief vom 18., der den Stempel Dahlem hatte, erst am 28. – Du machst also unserem Postamt unberechtigte Vorwürfe. Bei Euch ist auch das Apfelpacket so ungehörig verzögert worden, während es in Berlin ganz prompt ankam.
Für heute nur viele Grüße und Wünsche für Eure Sicherheit. In ständiger Sorge Deine Käthe.