Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 21. Januar 1944 (Berlin/Dahlem)


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Dahlem, den 21.I.44.
Mein innig Geliebtes!
Gestern (Voralarm 7 vor 19, Alarm 5 nach 19, Schießen 15 nach 19) sind wieder ¾ Stunde lang unendliche Heerscharen donnernd über uns weggerollt. Solche ¾ Stunden sind fürchterlich. In Dahlem fiel nur 1 Luftmine, die wir pfeifen hörten. (Kleine Fensterschäden nach rückwärts.) Es scheint, daß sie sehr nahe bei der interessantesten Stelle von D. niedergegangen ist. Man sagt der Angriff sei auf Spandau, Karlshorst, Friedrichsfelde, Kaulsdorf gegangen. In diesen Richtungen sah man Feuerschein.
Gestern traf auch Deine liebe reichhaltige Sendung ein. Ich kann heute nicht so danken, wie ich's empfinde. Besonders der liebe Kalender mit Spruch und Ornamentik beglückt mich sehr. Die Cakes sind ganz hervorragend. Dextropur etc. werden das schwache System stärken. Busse wird mich interessieren. Für alles den wärmsten Dank.
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Freitag ist immer der besetzteste Arbeitstag – ohne Mittagsschlaf. Dieser Brief soll schnell fort. Also verzeih seine Kürze.
Viel innige Grüße von uns beiden!
Dein
dankbarer Eduard.