Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 5. März 1944 (Berlin/Dahlem)


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<Stempel: Prof. Spranger
Berlin-Dahlem
Fabeckstraße 13>

5. März 1944.
Mein innig Geliebtes!
Mein Geburtstagsbrief für Dich – leider nicht mehr – ist am 22.II. hier abgegangen; am gleichen Tage Susannes Brief mit anderer Post; tags darauf ein eingeschriebener Brief mit allen Briefen von mir. Liegt das vielleicht wieder auf einem Schrank vor Deiner Tür? – Du mußt verfolgen, ob Berlin im Heeresbericht erwähnt ist. Nur, wenn dies zu erwarten ist, gebe ich gleich Nachricht. Seit dem schrecklichen 15.II. ist hier nichts passiert. Erst in den letzten Tagen hatten wir wieder Alarme, sogar Vollalarm am Tage, aber ohne Angriffe. Mit Ruges haben wir keine telephonische Verbindung erhalten; es schien aber, daß das Telephon noch ging. Hoffentlich sind die indirekten Nachrichten übertrieben! – Wir haben am 29.II./1.III und 1./2.III in Potsdam
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| geschlafen, in Erinnerung an den 1. März vom vorigen Jahr und den "Tag der Luftwaffe". Es gab aber keinen Alarm. Dort sind 5 Menschen, das lenkt etwas ab.
Der Mediziner Prof. Munk, aus der Türkei kommend, war hier mit schönen Geschenken. Dieser rührende Freund will versuchen, einen großen Teil meiner Bücher herauszubringen, ev. nach Cecilienhof (noch zweifelhafte Sicherheit.) Meine eigenen Schriften habe ich gestern großenteils durch einen anderen Freund hinaustransportieren lassen können. – Wallner, Löwenthal, F. Imhülsen (dieser zum 2. Mal!) sind abgebrannt. Heute waren wir im Schauspielhause, dessen Foyer ebenfalls Ruine ist, zu einer Vorlesung v. Kayßler. Er will am 18.III. auch für die Goethegesellschaft lesen. Ich finde aber keinen intakten Saal. (Harnackhaus hat kein Fenster mehr.)
Hast Du die Nachlaßangelegenheiten ohne allzu große Anstrengung geregelt? Hoffentlich kommen ruhigere Zeiten für Dich.
Litts u. Kiehms sind auch heute vor 14 Tagen erträglich durchgekommen. Gewandhaus ist nun auch ausgebrannt. Die 90jährige Frau <li. Rand> Schmidt-Köhne (Rankestr. ausgebrannt) schrieb tapfer, ja schwungvoll aus Brieg.
Ich bin, soweit es ging, fleißig gewesen; habe immer genau 240 im Kolleg.
<re. Rand> Für heute nur dies, hoffentlich zur Beruhigung! Mögest Du gesund sein und Mut behalten! "Mut verloren, alles verloren". Innigste Grüße von uns beiden.
<Kopf>
Dein
Eduard.