Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 5. April 1944 (Schloß Neu-Hardenberg/Müncheberg Mark)


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Schloß Neu-Hardenberg/Müncheberg Mark
den 5. April 44.
Mein innig Geliebtes!
Susanne ist gestern nach Dahlem gefahren; ich fahre heute. Denn morgen ist in Potsdam Mariannes Hochzeit. Wir kehren aber, sehr freundlich eingeladen, am Freitag noch einmal zurück und bleiben über Ostern. Ich werde diese wenigen Zeilen in Berlin einstecken und hoffe, daß sie doch noch zu Ostern ankommen. Von hier hat eine Karte nach Berlin 6 Tage gebraucht.
Mitzuteilen ist eigentlich wenig. Ich will Dir nur einen Ostergruß senden, in tiefer Erinnerung an Frühlingstage, die wir gemeinsam in Heidelberg oder auf der Reichenau verlebt haben. Hier ist heute es zum 1. Male mildes Wetter. Bisher haben wir es noch recht rauh gehabt. Ich habe noch einen zweiten Aufsatz schreiben können und die enorme Post erledigt. Das Leben im Hause ist wirklich reizend; man ist ganz frei, nur zu den Mahlzeiten und beim Sonntags
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|spaziergang zusammen. Außer dem Grafen, der Gräfin und der Comtesse leben dauernd hier der mir gleichaltrige General Graf v. d. Schulenburg, mein ganz besonderer Schwarm, und Herr u. Frau Baron Schilling, sie eine Schwester des Grafen, stille und unbeschreiblich liebenswürdige Herrschaften. Vorübergehende Gäste kommen zahlreich, so neulich der schwer kriegsbeschädigte Oberstleutnant Graf v. Staufenberg, der auf der Schwäbischen Alb zu Hause ist und mit dem ich über Schwackenreuthe – Bodenseeblick reden konnte. Mit ihm kam der Sohn v. Haeften.
Hoffentlich ist in Heidelberg nichts weiter passiert. In Berlin sind während unserer Abwesenheit 2 starke Angriffe gewesen. Beim zweiten sind auch bei uns, wie Filipp meldet, wieder kleine Schäden eingetreten. In Potsdam hat u. a. das Marmorpalais gebrannt. Auch sonst rückte es Honigs nahe.
Ich bin nach Budapest eingeladen, habe aber unter den neuen Verhältnissen wenig Lust. Am 19.IV. beginnt für mich das Semester. Am 1.V. habe ich in Stettin für Flak zu reden. Frl. Dr. Jung ist in Brannenburg. Von Felizitas kam gestern ein lieber Brief, Lore erkundigt sich ständig.
Es wird gleich gongen. Von Dir werde ich wohl leider erst nach Ostern in Berlin etwas finden. Hast <li. Rand> Du die Sendung im Akademiekouvert erhalten? An die Heidelberger Sparkasse sind 300 M überwiesen. Innigste Grüße! Stets Dein Eduard.