Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 19. Juli 1944 (Berlin/Dahlem)


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Dahlem, 19.7.44.
Mein innig Geliebtes!
Susanne hat Dir heute schon geschrieben. Ein bewegter Tag! Zunächst auf Umwegen in die Stadt, weil die U-Bahn wieder entzwei ist. Dann 2 Stunden Kolleg bei Überbesetzung; denn das Thema hieß: Psychologie der Geschlechter. Dann zum Seminar, das ein trauriges Bild bot: Wände und Regale umgestürzt. Die Studenten- und -innen waren behilflich, die Bücher aus dem Schutt zusammenzusuchen und in die weniger betroffenen Hinterräume zu bringen. Um ½ 12 kam ein Dutzend
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| Soldaten von der medizinischen Studentenkompanie, reizende Kerle. Das ging wie der Teufel. Aber benutzbar ist das Seminar in diesem Zustande nicht mehr. (Die Luftmine war in die Alexanderkaserne gegangen, meine frühere Heerespsychologenkaserne.) Wieder über Steglitz kam ich heim, todmüde. Und jetzt ist eines der gefürchteten schweren Gewitter von Norden her, mit Hagelschlag, der die Kirschen abschlägt. – Zu Hause fand ich den neuen Beweis Deiner Fürsorge: das Schaubrot. Herzlichen Dank. Gestern gute Stunde mit Hermann u. Irmgard (hat ein reizendes Auge.) Er mit dem Abzeichen, unbekümmert um die Sorgen, die uns drücken. Herzlichste <li. Rand> Grüße und Dank! Dein Eduard.
[re. Rand] Dem Krieg geht es wie s. Z. dem Tuch von Kurt.