Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 25. Juli 1944 (Berlin/Dahlem)


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Dahlem, den 25. Juli 44.
Mein innig Geliebtes!
Diese Nacht haben wir wieder ganz nahe eine Luftmine gehabt. Der Luftdruck war im Bunker so stark, wie wir ihn dort noch niemals gespürt haben. Wir dachten, mindestens im Innern des Hauses schwere Zerstörungen zu finden. Aber seltsam und Gottlob: der Druck muß abgelenkt worden sein. Die Mine ist fast genau da gefallen, wo die letzte: von uns aus hinter dem Museum, dem sie wohl gegolten hat. Dein alter Lehrer Dettmann hat seine Wohnung ganz nahe und scheint schweren Schaden zu haben. – –
Ich bin, wie Du Dir denken kannst, tief unglücklich und fühle mich geradezu vereinsamt. Solch ein edler Mensch!!
Der 2. Gumbinner Neffe Rutker ist von der Gegend Minsk als vermißt gemeldet. Sein Kommendeur hat Annemarie besucht und ihr die Nachricht gebracht. Leider war er mit einem kleinen Trupp abgeschnitten. | Ob man noch hoffen darf? Die Gefangenen werden jetzt besser behandelt.
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| Aber ob er gefangen ist.
Leisegang hat anläßlich einer Dienstreise eine Nacht bei uns geschlafen. Das war ganz interessant. Er kam hier in aufregende Ereignisse hinein.
Meine Untergrundbahn ist immer noch gestört. Ich muß die Wannseebahn benutzen.
Gestern hat mich der General [über der Zeile] a.D. v. Rabenau besucht. Er interessiert sich besonders für kirchliche Verhältnisse.
Mein einziger Trost ist Meinecke, der Mitfühlende, und besinnungslose Arbeit am Herdervortrag. Aber leicht ist das nicht.
Diese Nacht ist auch in Potsdam eine Luftmine gefallen, ebenfalls nahe an einer schon einmal betroffenen Stelle.
Schade, daß mein Gedächtnis so schlecht ist; es gäbe noch mehr zu erzählen.
Dextropur ist noch nicht eingetroffen; dies erwähne ich, weil Du danach fragen wirst.
Das Semester dauert noch 10 Tage. Was dann?
Bethmanns sind von der Nehrung zurück, ohne Annemarie. Die Gumbinner Nichte haben wir Sonntag in Potsdam gesprochen. (Haide.) Der vierte (Günther) ist noch verwundet in Lahr <li. Rand> bei seinem seltsamen Vater (Stabsarzt.) Die Höhe des Sommer ist überschritten. Eine andere Höhe auch. Wir sind in Eger. Innigste Grüße Dein Eduard.