Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 7. September 1944 (Berlin/Dahlem)


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Dahlem, den 7.9.44.
Mein innig Geliebtes!
Nur einen Zettel! Das Dextropur ist angekommen und zugleich Dein kurzes Schreiben, in dem unsre Gedanken sich treffen. Ich möchte noch nachtragen: es ist ratsam, jetzt bares Geld im Hause zu haben. Und im eiligen Notfall – der Gedanke kommt mir erst jetzt – könntest Du wohl nach Ober-Dielbach. Aber das müßte dort schon verabredet sein, so daß ein Plätzchen für Dich frei ist. Denn im letzten Augenblick kommen ganze Ströme.
Ich lege Dir ein Bleistiftblatt bei, wie sie jetzt häufiger kommen; (gelegentlich zurückerbeten.) Gestern haben wir einen sehr schönen, gelungenen Ausflug nach Woltersdorfer SchleuseGrünheide gemacht, mit Senzoku, der überraschenderweise seine – Frau mitgebracht hatte. Sie ist eine Russin, sieht aus wie Maria Oesterreich als Braut, ist aber viel sympathischer.
August Möller, der Vater von Frau Reeh (Johannesmühle) ist gestorben. Er hat auch viel unter der Zeit gelitten. Du erinnerst Dich: Tagung
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| in Hattenheim.) Ich habe einen Freund verloren.
Seit es keine Briefkästen mehr gibt, steigt meine Post täglich. Und die Arbeit drängt ungeheuer.
In Potsdam trafen wir die Nichte des uns so nahe befreundeten Hauses und hörten günstigere Nachrichten, ich fürchte: zu optimistische.
Jetzt will ich zu Meinecke gehen, der seit vorgestern wieder da ist.
Vielen Dank für die liebe Sendung und wärmste Grüße von uns beiden. Ist alles auch sehr schwer, so ist es doch nun die letzte Szene.
[von den Transcriptoren ?!] HAFTZEIT: 8.9 - 14.11.44 in Moabit
Immer Dein
Eduard.

Schreibe mir auch wieder über Dieter! Jetzt so häufig, wie es geht, wenn auch nur Zettel!