Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 11./12. Dezember 1944 (Berlin/Dahlem)


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Dahlem, den 11.XII.44.

Von Dir: 29.XI. (eingetr. 2.XII)
   "    "     6.XII. (abgest. 5.XII!!)
Von mir zuletzt: 6.XII. | an Susanne am 9.XII. eingetroffen.
Nr. 8.
Mein innig Geliebtes!
Heidelberg hat nun leider auch eine Probe erhalten. Du siehst, daß vor allem die Nähe der Bahn gefährlich ist. Also halte Dich Du nicht länger auf, als es unbedingt nötig ist. Ihr werdet künftig mit dem Voralarm schon Bomben haben, wie es auch in Freiburg gewesen ist. Also möglichst vorsichtig disponieren und imer schnell weg von Gegenden, die "Interesse" haben. Der Angriff auf Berlin, den wir nicht hier erlebt haben, war sehr schwer und wirkungsvoll: Pankow, Tegel, Wittenau, Hermsdorf, Frohnau
In den letzten Tagen ist es mir buchstäblich sehr schlecht gegangen; ein bedenklicher Bronchialkatarrh mit fließenden Schnupfen (im ganzen über 14 Tage lang) hat mich ganz elend gemacht. Es war wohl auch etwas Fieber dabei. Seit gestern ist alles maßvoller. Aber ich bin noch garnicht wieder auf der bescheidenen Höhe, die ich schon erreicht hatte. Ausgegangen bin ich seit Tagen nur zu dienstlichen Zwecken. Es ist aber hier noch gar kein eigentlicher Winter.

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12.12.
Ich sende Dir gesondert ein paar Akademiehefte von mir, damit Du zu Weihnachten etwas zu verschenken hast. Aber für Dich selbst werde ich leider garnichts haben. Denn bei Gsellius ist absolute Ebbe, und etwas anderes gibt es erst recht nicht. Das gehört mit zu den "Zeitumständen".
Es kommt noch mancherlei Besuch: Frau Gomies, v. Tirpitz (Sohn des Admirals), [über der Zeile] Dr. Meiner, frühere Hörer etc. Am 17.12. feiert H. Scholz, aus dem zerstörten Münster nach Kynast in Schlesien entflohen, seinen 60. Geburtstag. Mein Beitrag zu seiner Festschrift ist nun nicht fertig geworden, und ich habe auch noch keinerlei produktive Regung.
In der Vorlesung sind 200 sehr aufmerksame Hörer geblieben; in einem Seminar sind 30, im intimsten Kreise 5.
Der Generalmusikdirektor Beck, ein treuer Freund, der in Kaiserslautern seine Basis verloren hat, arbeitet jetzt in Kassel mit seiner Frau (Ballettmeisterin) industriell, kommt aber wegen Krankheit demnächst zu Rohrbach in Mulang.
Ich muß leider gleich fortgehen und breche daher diesen kurzen Gruß ab. Lieber häufiger, "solange es noch geht." Innige Grüße von uns <li. Rand> beiden Dein
Eduard.

[] Besorgt um Frl. Geppert u. Cilli, die beide schweigen; neue Aktion.
[re. Rand] Rauhuts <5 Wörter unleserlich>
Frl. Wingeleit ist <4–5 Wörter unleserlich>