Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 8. Februar 1944 (Heidelberg, Postkarte)


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Heidelberg. 8. Febr. 1944. M. l. H. Soeben bei Alarm im Landfriedstift, um die Pflege beim Vorstand für eine Zeit abzulösen. Es geht jetzt mit ihr rapide rückwärts und sobald die Wirkung der Morphiumspritze nachläßt, muß jemand im Zimmer sein, da sie in ihrer Unruhe immer aus dem Bett geht. Da man sie weder in einem Krankenhaus aufnimmt, noch eine Pflegerin zu haben ist, sorgen die Damen und Mädchen im Heim abwechselnd sehr freundlich für sie. Zweimal täglich kommt eine Gemeindeschwester. Aber natürlich werde ich jetzt recht viel hier sein müssen. Frl. Dr. Clauß versichert mir, daß sie nicht viel Schmerzen hat, aber das Morphium wirkt nur eine Weile. – Es ist eigen zu sehen, wie verschieden von Adele dieses Auslöschen ist. Hier hört der Lebenswille, wie es scheint, garnicht auf. Wiederholt sagte sie: "Jetzt will ich schlafen, und dann bin ich wieder gesund". – Es war wieder nichts in unsrer Gegend, und es hat bereits abgeblasen.
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| Bei meiner Heimkehr fand ich Deine liebe Karte vom 29.I. als letzte der Nachrichten, obgleich sie zuerst abging. –
Ich grüße Euch herzlich und hoffe sehr, der Alarm heute galt nicht wieder Euch.
D.K.