Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 11. Februar 1944 (Heidelberg)


[1]
|
Heidelberg. 11.II.44
Mein geliebtes Herz!
Heute mittag um 12 Uhr hat unsre Freundin ihren letzten Atemzug getan. Es ist mir besonders lieb, daß ich ihre Hand halten konnte, als der Tod eintrat, wenn sie auch kein Bewußtsein mehr davon hatte. Es wäre leicht möglich gewesen, daß ich nicht im Hause war, da ich ja auch zwischendurch in meine Wohnung ging. Die letzten Tage waren, soweit nicht die Morphiumwirkung tief war, eine große Quälerei und ich bin dankbar, daß das Ende ein ganz sanftes unmerkliches Aufhören war. Morgen um 10 Uhr wird die Überführung sein, und am Montag um 4 Uhr die Feier auf dem Friedhof in der Kapelle, da man wohl die Halle am Krematorium im Winter nicht benutzt.
[2]
|
Ich weiß, wie Du meiner gedenkst. Es ist ein ernster, bedeutungsvoller Abschied, aber ein ruhiger Ausklang. Die innere Beziehung war seit langer, langer Zeit erschöpft, und was mich band war Dankbarkeit – Gewohnheit – Pflicht. Wenn ich den Grund dafür angeben sollte, so möchte ich wohl sagen: sie hat, was freie Gabe des Herzens sein muß, als drückenden Zwang gefordert.
Sei mir viel tausendmal gegrüßt, und sage Susanne viel herzliche Grüße. Ich hoffe mich zum 19. mit einem Brief pünktlich einzufinden; es wird aber in den nächsten Tagen viel Verhinderung sein, da auch gerade von morgen an Anna Weise auf der Übersiedlung nach Tübingen einige Tage in Heidelberg sein wird.
Möge der Himmel Euch weiter behüten! In immer gleicher Liebe
Deine
Käthe.