Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 22. Februar 1944 (Heidelberg)


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17a) Heidelberg. 22.II.44.
Mein geliebtes Herz,
nun habe ich den Brief vom Sonntag den ganzen Tag gestern in der Tasche herumgetragen und abends erst gefunden. Verzeih mirs, und entnimm nur daraus, wie heruntergekommen ich bin. Und ich habe doch garkeinen Grund, wenn ich damit vergleiche, was Ihr durchmacht. Gestern bekam ich dann endlich von meiner Schwester auch solche Eilnachricht vom 16., das Haus steht und alle sind gesund. Nachmittags kam dann ein Brief mit Einzelheiten.
Mein Päckchen bringt Dir einige kleine Mittel zur Stärkung. Möchten sie doch ein wenig helfen, die entsetzliche Zeit zu ertragen. Die Spielkarten
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| sind nicht mehr schön, aber vielleicht dienen sie noch.
Vorläufig habe ich immer noch im Interesse vom Vorstand zu tun und es will fuer mich nicht eher Ruhe geben, ehe nicht Winters die Erbschaft eingeheimst haben. Es wären manche Dinge darüber zu erzählen, aber es lohnt nicht zu schreiben und noch weniger für Dich zu lesen.
Darum aber jetzt Schluß und nur noch innigste Grüße und Dank für alle lieben Nachrichten. Hoffentlich kommt das Päckchen heil in Deine Hände. – Gestern [über der Zeile] VorAlarm um 21 Uhr, und heute nacht um 3; dann bin ich immer in Sorge, sie könnten zu Euch unterwegs sein. Ach, diese ewige Angst! —
Immer
Deine Käthe.