Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 20. März 1944 (Heidelberg)


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Heidelberg. 20.III.44.
Mein geliebtes Herz!
Also morgen soll es nach Neu-Hardenberg gehen! Ich bin froh, da werdet Ihr hoffentlich ungestörte Nachtruhe genießen. – Bei uns ist es eben lebhafter. Vorgestern bin ich bei Voll-Alarm noch von Neuenheim nach Hause gestürmt. Aber nach den heutigen Eindrücken werde ich das nicht wieder riskieren. Denn jetzt war es hier zum erstenmal so, wie wir es nachts in Königstein erlebten, aber mittags um 12. Ein Holzlager und mehrere Häuser in der Friedhofsgegend am Speyrerhofweg haben gebrannt. Ich war gerade beim Essen und wollte mich erst nicht stören lassen, aber dann wurde die Sache doch zu lebhaft, und es versammelten sich alle Hausbewohner(selbst der reizende Säugling vom 2. Stock) in dem schauderhaften Keller. Jetzt ist nun Heidelberg höchst bestürzt, denn die meisten Leute hatten sich eingebildet, sie hätten einen Freibrief. –
Dieser Zettel hat mir den Zweck, Dich in
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| dem hoffentlich wieder so erfreulichen Aufenthalt zu begrüßen und Dir zu sagen, daß in unsrer unmittelbaren Nähe nichts passiert ist. Es war überhaupt nur ein kleines Unternehmen, die Hauptsache ging brausend weiter. Wohin? – Wer weiß! Vielleicht erfährt man es morgen.
Elisabeth Vetter, Konstanzerstr., erfuhr am 23., daß ihre Wohnung am 15. ausgebombt ist. Vielleicht wäre es besser gewesen, die Möbel vom Vorstand nicht zu verkaufen. Aber nun ist es geschehen.
In stockdunkler Nacht hat mich gestern auf der Straße ein Mann umgerannt, es hat mir aber nicht weiter geschadet, ich bin heut nur noch wie zerschlagen. Ich kann schon einen gehörigen Puff vertragen!
Sie innig gegrüßt, mein liebes Herz, und laß uns nicht den Mut verlieren. Es muß doch – Frieden werden! Grüße auch Susanne herzlich und laßt es Euch möglichst gut gehen.
Deine
Käthe.