Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 25. April 1944 (Heidelberg)


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Heidelberg. 25. April 1944.
Mein geliebtes Herz!
In der heutigen Zeitung ist Mannheim ausdrücklich erwähnt, aber ich hatte Dir nicht darüber geschrieben, weil wir bei der Häufigkeit der Alarme garnicht mehr den Wert auf den einzelnen legen, wenn er uns nicht näher angeht. Heut nacht nun war es aber lebhafter, und da will ich gleich ein Briefchen schreiben, obgleich es noch für einen Sonntagsgruß zu früh ist. Es war heute auf die Bahnanlagen und die Neckarbrücke abgesehen. Nachts von 12–3 Uhr dauerte der Besuch, und heute morgen gegen 9 Uhr wiederholte er sich. Sie benehmen sich überhaupt da oben bei uns gerade, als ob sie zuhause wären, kreisen lange umher und ziehen weiße Spuren über den ganzen Himmel. Nachts war ein tüchtiger Brand in der Nähe
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| des Güterbahnhofs im sogenannten Baggerloch, wo das Gefangenenlager ist. Wahrscheinlich war das wohl nicht gemeint. – Heute am Tage war offenbar bei uns nur der Sammelplatz für einen Angriff anderswo. Mit Sorge sehe ich immer, wenn sich die Angriffe nördlicher ergießen, weil ich dann für Euch fürchte. Und nun wird ja auch noch von der Ostsee gemeldet!
Von Mädi hatte ich einen betrübten Brief. Sie wohnt jetzt im Nachbarhaus, das Carls Bruder gehört (oder gehörte?) weil die andern jetzt den Raum brauchen, da auch Hilde nach Rügen geht. Mädis Junge, der Heinz, ist bei den Großeltern in Oeynhausen, weil er auf den Lunge zart ist. – Auch sonst hört man viel von Krankheit und Sorgen. Dabei war tagelang ein Frühling da draußen von unerhörter Schönheit. Ob ich über Sonntag–Montag–Dienstag nach Dielbach gehe? Man scheut sich eigentlich, das Haus zu verlassen. Aber jetzt will ich doch in die Stadt! Darum nur noch viele Grüße in ständigem Gedenken: Der Himmel behüte Euch!
Immer Deine Käthe.