Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 7. Juli 1944 (Heidelberg)


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Heidelberg. 7. Juli 1944.
Mein geliebtes Herz!
Ich denke an Susanne und an das große Leid, das sie und ihre Schwester getroffen hat. Es war in dieser ganzen Woche keine Zeit zum Schreiben, und auch heute, wo doch der Brief zum Sonntag fortgehen sollte, komme ich nicht dazu. Dabei wollte ich doch so gern auf Dein Schreiben vom 29., das mir durch all seine lieben Worte so innig wohltat, so schnell antworten und Dir danken. – Ich hatte viel Besuch und das kostet immer viele Stunden, dann ließ ich mir zureden, ins Kino zu gehen: Träumerei – der Clara Schumann-Film, den ich wirklich schön finde, und gestern abend kamen noch einmal Kirschen zum Einkochen, die notwendig heute verarbeitet werden müssen. Das ist neben der Zeichnerei etwas viel. Darum verzeih mir, bitte, heute diese kurze Mitteilung, die Dir nur sagen soll, daß
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| es nicht Mangel des Herzens ist, sondern nur Mangel an Zeit und Kraft, wenn die eigentlich Nachricht erst in ein paar Tagen kommt. Wir haben heute starke Sommerhitze, nach einer stürmischen Nacht. Alarm war seit langem nicht, nur heute mittag ein kurzer Voralarm. Wie stehts damit bei Euch? Dürftt Ihr schlafen?
Ich grüße Dich und Susanne herzlich und wollte, ich könnte Euch die Kirschen abgeben. Oder bekommt Ihr auch welche? Hier sind sie im Überfluß vorhanden, aber man muß gute Beziehungen haben, um davon zu bekommen. Laß es Dir so gut wie möglich gehen – "weil noch das Lämpchen glüht" und genießt Euren Garten und die Rosen.
In stetem Gedanken
Deine Käthe.