Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 11. August 1944 (Heidelberg)


[1]
|
Heidelberg. 11. August 44.
Mein geliebtes Herz!
Am vorigen Sonntag, als mich Dein lieber Brief durch den Bericht über die Eindrücke vom Kolleg und Vortrag so glücklich machte, ist gerade wieder solch abscheulicher Terror-Angriff auf Berlin gewesen, und nun warte ich mit Bangen auf eine Nachricht. Trotz allem Glauben und hoffen ist eben doch immer die Sorge groß. –  – Deine Ermahnung zum gründlichen Lesen ist mir auch, aber in andrer Weise, nahe gegangen. Denn schuldig kann ich mich da eigentlich nicht fühlen. Ich lese Deine lieben Briefe immer sehr aufmerksam und oft. Aber selbst delphische Orakel waren ja Mißverständnissen ausgesetzt. – Nach der Erwähnung von Schwackenreute hatte ich auch schon gesucht, aber erstlich hatte ich ein falsches Suchbild, einen andern Zusammenhang im Sinn und dann stieß ich beim Durchsehen auf die Sache mit der Mißstimmung, die mir aufs eine weh tat, und da blätterte ich wohl flüchtig und darum fragte ich nochmals. Jetzt habe ich die Stelle gefunden und auch die Erinnerung
[2]
| an unser damaliges Unternehmen war ja immer in meinen Gedanken. Aber die gleiche Sache kann ja bei zwei Menschen verschiedenen Bilder hinterlassen und kann dann auch mit andern Dingen verknüpft werden. – Ich denke noch an die Fahrt über Meßkirch, wo der Philosoph der "Angst" geboren ist, dessen Namen ich durchaus nicht behalten kann. Überhaupt Namen! Einzelne können so häufig sein, daß man bei ihnen nicht an bestimmte Menschen denkt. Aber dann gibt es auch andre, die aufhorchen lassen. Vielleicht sind mir da jetzt richtigere Beziehungen klar geworden. – Eine wirkliche Freude habe ich im Augenblick an Herrn Dr. Cibis, für den ich die Curven zeichne. Davon will ich dir ausführlich erzählen, aber heute nur diesen Zettel fortschicken, damit er endlich mal wieder am Sonntag ankommt. Wenn die Verbindung normal sein sollte – nach Karlsruhe ist sie es im Augenblick nicht. Der Bahnhof sei zerstört. –
Ich wünsche von ganzem Herzen, daß die Sympathiekundgebung alles Sympatol überflüssig mache und daß es Euch beiden möglichst gut gehe. Grüße Susanne sehr, die sehr mit dem Haushalt zu tun haben wird, und sei selbst tausendmal gegrüßt in stetem Gedenken von
Deiner Käthe.