Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 4. September 1944 (Heidelberg)


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Heidelberg. 4. Sept. 1944.
Mein geliebtes Herz!
Dies ist kein Brief. Nur ein Gruß, der das Päckchen mit dem Dextropur begleiten soll. Gestern, Sonntag, war wieder ein starker Angriff auf Mannheim, sodaß bei uns die Wände bebten, aber näher kam uns nichts. Ich schreibe das nur, falls es im Heeresbericht erwähnt wird. – Von Hermann kam nach langem Warten die Nachricht, daß sie Dieter besucht haben und daß die Heilung zur Zufriedenheit verläuft. Näheres darüber schreibt er nicht.
Meine Zeilen zum 31. wirst Du erhalten haben. Alles erinnert stark an unsern Abschied und die Shakespeare-Worte auf dem Konstanzer Bahnhof. Am 30. war ich mit Hedwig Mathy noch einmal in Waldhilsbach, bei weniger gutem
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| Wetter und deshalb auch schwachen Besuch und reichlicherem Essen. Aber die Stimmung fehlte uns beiden nun doch. –  – Abschrift der letzten Briefe von Dieter aus dem Felde und der bewußte Zettel tragen zur Klarheit und dem Verständnis das letzte bei. – Die Menschen hier reden beständig von dem ersten Vorstoß auf Metz, der aber mißglückt ist. Was hältst Du für richtig, falls hier geräumt wird? Ich glaube, daß meine Arbeit mich berechtigt, zu bleiben und wo sollte ich auch hin? Es ist ja alles überbesetzt. –
Daß bei Lili Vogts auf Rügen eine kleine Lili ankam, schrieb ich wohl schon? Und Hilde Bauer, (die jüngste Ruge) ist jetzt in Berlin, um ihr erstes Kind zu erwarten. – Durch das ganze Leben ziehen sich Vorbedeutungen und sonderbare Zusammentreffen wie ein seltsames Rankenwerk, und manches streift erschreckende Möglichkeiten. So leb denn wohl, mein – mein geliebtes Herz, und laß bald wieder Gutes von Dir hören. Denn die Sorge wegen möglicher Angriffe ist beständig da.
Viele Grüße und gute Wünsche von
Deiner Käthe.