Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 7. September 1944 (Heidelberg)


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Heidelberg. 7. Sept. 44.
Mein liebes Herz,
wenigstens einen Gruß will ich dem Päckchen doch beifügen. Ob der Inhalt gut ankommt? Ich bin etwas in Sorge, daß Susanne nicht zufrieden sein wird, falls die Reise zu lange dauert. Die Birnen sind noch nicht ganz reif, sollen noch etwas liegen, also wage ich, sie zu schicken. Ich würde mich freuen, wenn sie Euch einige Vitamine und Heidelberger Sonne brächten! Gewachsen sind sie in Leimen, und die Schwiegertochter von Frau Kühn, die beim Tode ihres Mannes einen alten schwarzen Regenmantel von mir bekam, hat sie mir geschenkt. Dreimal so viel! Solch unerwartetes Zeichen des Dankes freut einen. Davon solltest Du doch auch haben.
Im übrigen geht die Sache weiter und täglich näher. Stimmung ganz allgemein dem entsprechend. Aber eine wachsende Gemeinschaft mit guten Freunden und Nachbarn. Ich habe Sehnsucht nach einem Gruß von Dir, was aber um Gotteswillen keine Mahnung sein soll! Aber die letzte Aufklärung hat meine Gedanken noch intensiver beschäftigt als alles Vermutete. Wer konnte das auch ahnen! – Wer hat denn
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| den verständnisvollen Bericht über die Volksschule geschrieben? Wolfgang Scheibe traue ich ihn nicht zu. Ist Eure Ida noch da? Vielleicht laßt Ihr mich mal als Aushülfe kommen. Vorläufig bin ich noch leidlich brauchbar.
Für heute muß ich aufhören und das Päckchen wegbringen. Darum sei mir noch innig gegrüßt und höre nicht auf, "die Zukunft einzubeziehen". –
Deine
Käthe.