Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 10. Dezember 1944 (Heidelberg)


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Heidelberg. 10. Dez. 44
Mein geliebtes Herz!
Der Sonntag soll wenigstens noch zu einem kurzen Gruß benutzt werden, wenn ich auch nicht die Ruhe zu eigentlichem Schreiben habe. Es ist stürmisches Wetter und fortwährend Alarm, der einen in der Tätigkeit stört. Wie sehr verlangt michs, endlich zu hören, daß Du meine vielerlei Nachrichten endlich bekommen hast! Donnerstag, d. 7. bekam ich deine Briefkarte, und habe Freitag abend einen Brief an die Würzburger Adresse geschickt, der um 10 in den Kasten kam, der morgens 6 Uhr geleert wird. Nun stecke ich heute diesen auch auf die gleiche Art ein, aber direkt an Dich. Wollen sehen, welcher länger braucht. Es ist eben mit dem Zeichnen etwas eilig, und alles kostet soviel Zeit! Auch
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| heut bin ich zu nichts von alledem gekommen, was ich vorhatte. Soeben spielt z. B. Hölscher im Rundfunk, den ich bei Heinrichs hören könnte, aber ich ging nicht hin.x [li. Rand] x und in der Stadthalle ist Generalprobe der Jahreszeiten!!
Man macht sich immerfort mit Ordnen und Richten des Luftschutz-Gepäcks zu tun, und doch wird in letzter Minute alles verkehrt sein. Es wird gesagt, daß man gut tut, immer den Rucksack mit dem Nötigsten an Wäsche bereit zu halten. Alles andre könnte man ja doch nicht weit tragen. Aber ich habe doch so viel an Schrift- und Drucksachen, die ich keinesfalls preisgeben möchte. Wie soll das gehen! Es ist so seltsam, daß man eigentlich in der Stille immer hofft, es werde nicht so ganz schlimm kommen. –
In dem vorletzten Brief an Dich legte ich 250 gr. Nährmittelmarken für Susanne ein. Ist das angekommen? Ich frage nicht als Mahnung, das wirst Du verstehen; es ist nur wegen der Unsicherheit. Und dann sorge ich mich wegen der fortgesetzten Angriffe auf Berlin. – Nur eines ist wohltuend zu denken: Daß Ihr wieder beisammen <Kopf> seid! Und in Gedanken bin ich auch dabei – immerfort.
Ich grüße Euch herzlich, und bin in treuer Liebe
Deine Käthe.