Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 21. Dezember 1944 (Heidelberg)


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Heidelberg. 21. Dezember 1944.
Mein einziges, geliebtes Herz!
Gestern, am 20. kamen nach langem Warten zwei liebe Briefe gleichzeitig, der 8. und 9. (d. h. der eingeschriebene), gestempelt am 12. und am 18. – So ist das jetzt! Aber umso größer ist dann auch die Freude, und ganz gerührt bin ich über Deine liebe Handarbeit. Wie mühsam und wie treu bedacht! Du bist doch solche Kunstfertigkeiten gar nicht gewohnt. Ich werde mir Mühe geben, dem kleinen Kalender einen würdigen Schutz zu machen, und werde täglich bei seinem Anblick innig dankbar an Dich denken. Umso schmerzlicher aber ist mirs, daß ich mich von meinen Lieferanten so vertrösten ließ und nicht schon längst am Selbsthilfe gedacht habe. Nun hat mich Dein gutes Beispiel angesteckt und irgendwie wird demnächst ein selbstgefertigter Wochenkalender bei dir erscheinen. Aber er wird eben leider verspätet kommen, was hoffentlich auch Dein Brief No. 7 tun wird. Von mir scheint ja einiges gar nicht angekommen zu sein. Ich habe zuletzt wieder 2 eingeschriebene Brief geschickt, mit Plätzchen und ein Buch, beides am 18.XII. von Heidelberg-Rohrbach, und eins an Susanne am gleichen Tage von der Hauptpost Heidelberg. Was davon wohl eher eintrifft? – Heute war Ursel Kohler bei mir zum Essen, es war Gemeinschaftstag, Rüben und Kartoffeln, recht gut. Hinterher gab es den üblichen "Griesstand" und Himbeersoße, und zu dem Eintopf hatte ich Wurst geholt. So macht man sich noch immer das Leben möglichst angenehm und nahrhaft – Am 1. Feiertag werde ich wie immer bei Schoepffers sein und da wird auch gut gegessen! Ursel hat mir wieder Dextropur mitgebracht, und außerdem Süßstoff, Hautcreme, etc. Sie ist sehr bedacht für mich. Ich habe sie besonders gern und freue mich, wenn sie mal Zeit für mich hat. Ich bin ziemlich viel sonst in der Klinik, Aber in den Feiertagen natürlich nicht. Mein Weihnachten ist das Bewußtsein, daß Du wieder daheim bist, das ist mir Fest und Freude. Wenn es Dir nur gesundheitlich besser ginge! Da ist gewiß der ungesunde Aufenthalt in der Universität daran schuld. Bei mir ist jetzt viel vernünftiger geheizt, nicht mehr als sonst, aber zu verständigerer Zeit, nicht erst spät abends. – Ich hätte Dir viel zu schreiben und hoffe dafür auf die Feiertage. Heut ist es einfach unmöglich, ich bin so müde, daß ich fast im Sitzen einschlafe. Aber ich will doch den Zettel noch in den Briefkasten bringen, damit Du ganz bald hörst, welch große Freude Du mir mit dem Kalenderchen bereitet hast. Zuerst wird jetzt Dein Kalender fertig gemacht und dann der kleine. Alarm ist ziemlich häufig, aber es kommt nichts zu uns. Auch Mannheim ist seit dem letzten sehr schweren Angriff verschont. – Nun verzeih diesen inhaltlosen Brief, und nimm daraus nur Dank und innigste Grüße. Auch Susanne sage vielen Dank für ihr Schreiben und grüße sie herzlich!
<li. Rand> Laßt es euch möglichst gut gehen, vor allem eßt, was irgend möglich ist das gibt wieder Kraft. Mit vielen guten Wünschen.
Deine Käthe.

[li. untere Ecke] Ich habe keinen Baum, aber heute den üblichen Zweig bekommen. Er duftet herrlich!