Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 23. Dezember 1944 (Heidelberg)


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Heidelberg. 23.XII.44.
Mein geliebtes Herz.
Ich muß die Strickerei getrennt schicken, da nur 100 gr. eingeschrieben angenommen werden. Die Arbeit ist hauptsächlich im Luftschutzkeller entstanden, und das Material ist nicht sehr vornehm. Aber ich hoffe, es hält Dich warm. Es ist ja so viel Liebe hinein gestrickt. – Ich muß Dir doch noch einmal danken, für die "Handarbeit", die Du mir gemacht hast. Ich glaube, daß ich mich noch über keine Deiner lieben Gaben so gefreut habe wie über diese. Noch konnte ich die Einbanddecke nicht machen. Aber sie soll sehr schön werden.
Denkst Du wohl daran, daß die Tage nun wieder länger werden? Es hat auch not. Und schön ists, daß mal wieder helle Nächte sind. Leider kommen sie nur meinen Klinikwegen nicht zugute, da ich in der kommenden
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| Woche beurlaubt bin. Dr. Cibis macht eine Pause, da er mit der Arbeit an einen Knoten gekommen ist. –
– Heut habe ich einen Kuchen gebacken, einen Hefekuchen nach Friedensrezept. Aber das Gas versagte und ich mußte zur Frau Buttmi flüchten, deren Ofen funktionierte. Zum Glück ist die Sache nicht verdorben. Aber so ist alles jetzt eine Schwierigkeit. –
Jetzt warte ich wieder auf eine Nachricht über Dein Befinden; und dann auch, ob du das kleine Buch bekommen hast? Aber heut muß ich Schluß machen, denn nach allem Tageskram schlafe ich einfach beim Schreiben ein.
Ich denke Eurer beim Kaffee mit Hennings. Aber in die ungeheizte Kirche geht Ihr hoffentlich nicht!
Viel tausend weihnachtliche Grüße!
Deine Käthe.