Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 11. Januar 1945 (Berlin/Dahlem)


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Dahlem, den 11. Januar 1945.

Nr. II.
Mein innig Geliebtes!
Auf dem beiliegenden Zettel habe ich Dir aufgeschrieben, welche Briefe von Dir eingetroffen sind, und wann. Sie kommen so durcheinander an, daß man die Chronologie immer erst rekonstruieren muß. Ich habe Dir in diesem Jahr bisher nur einmal geschrieben und dabei den Empfang der schön und zierlich geschriebenen Kalenderblätter bestätigt, die mir eine große Freude bereitet haben. Die kleine Pause kommt daher, daß ich das Geleitwort zu Fichtes "Bestimmung des Menschen" fertig machen mußte. Das bedeutete eine Schreibarbeit von 42 (allerdings locker beschriebenen) Seiten in Dinformat. Außerdem war die ganze Post der Festtage zu beantworten. Manches ist recht spät hier eingegangen. Von meinen Briegen sind nachweislich 2 nicht an ihr Ziel gelangt; wie viele mögen es realiter sein? Ganz spät kamen hier Nachrichten aus Baden-Baden (Seitz, Artilleriegranaten in der Stadt) und Freiburg an. Es fehlen Heinrich Scholz, Frommherz, Gisela Menzel (Tochter von Elis. Lüpke)x) [li. Rand] x) außerdem natürlich das gesamte Ausland. Die Lebenden sind dann wohl alle da. Aber in der letzten Woche hatte ich wieder 4 Kondolenz
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|briefe zu schreiben.
Eigentlich "Neues" gibt es hier nicht. Denn mein Katarrh z. B. ist schon 7 Wochen alt. Ich will heute einmal zu Kurzrock gehen. Um Neujahr hatten wir häufiger Angriffe, einmal sogar um 19½ und um 22½! Das Semester hat längst wieder angefangen. Ich habe einen größeren und wärmeren Hörsaal gefunden.
Ich freu mich, daß auch bei Euch vernünftiger geheizt wird und daß das Verhältnis zu den Heizenden sich gebessert hat. Das ist gerade jetzt doch sehr wichtig. Auch daß Du das Haus Schöpffer hast, ist mir lieb, und sonst einen guten, hilfreichen Freundeskreis. Möge man nicht zu sehr auf ihn angewiesen sein!
Der Bunker, in den wir gehen, liegt (von der Straße aus gesehen) rechts von dem Hertzschen Garten. Das Grundstück gehört schon zu der Straße, die an der U-Bahn entlang geht. Der Schenkel des rechten Winkels, in dem wir sitzen, hat meist eine Belegung von 15–20 Leuten. – Unsre Kohlen werden reichen, wenn der Winter so gnädig bleibt. Anderwärts, z. B. in Elgershausen (Biermanns) steht es damit sehr schlecht. Was die Verpflegung betrifft, so ging es in der letzten Zeit (durch den erwähnten Hasen von Ulrike Levetzow) und ein ostpreuß. Packet von jemand, der auch da gewohnt hat, wo ich) recht gut. Leider fällt immer der Löwenanteil auf mich, und die beiden Frauen mögen sich so durch sparen. Änderungsversuche sind immer <re. Rand> mißglückt.
Alle Nachrichten v. Öppingers fehlen. Hingegen kam heute eine Karte der kath. Schwester über Röschen Wingeleits langsames Verlöschen. Frl. Dorer, deren Vater u. Schwester jetzt in Schönwald leben, <li. Rand> hat auch ihr Heim in Freiburg ganz verloren. Es ist heute keine rechte Sammlung zum Schreiben. Ohnehin empfiehlt sich: lieber öfter!! Innige Grüße, auch v. Susanne,
Dein dankbarer Eduard.

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An mich: 10.XII. eingetroffen 28.12.
    "    " 21.XII.          "          3.I.!!
    "    "27.12. 1 Blatt         "          30.XII.
    "    "27.12. 3 Blätter         "          4.I
An Susanne    31.12.         "          5.I.
Außerdem 23.12 mit den Strümpfen schnell eingetroffen, und was den anderen lieben Weihnachtsgeschenken beilag.
Neuester Brief ist also der vom 31.12. an Susanne.
11. Januar 45.