Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 31. Januar 1945 (Berlin/Dahlem, Postkarte)


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| Nr. 7.
Dahlem, den 31. Januar 1945.   M. L. Heute kam Deine liebe Karte vom 25.I. Der Brief vom 21.I. ist noch nicht da. – Ich bin nach 3 ½ Tagen Liegen von einer Grippe aufgestanden, weiß aber noch nicht, ob die Sache vorbei ist. Fieber bis 38,6,° erst Husten, dann Schnupfen, der ja überhaupt nie aufhört. Sus. besorgt die Wirtschaft u. die Pflege toute seule (nicht wie Du annahmst, tout seul.) Hier ist man nervös. Die Honigschen landwirtschaftl. Verwandten in Gegend Landsberg sind nicht mehr dort, unerreichbar, incl. seine Mutter von 90 Jahren. Heinrich Scholz hat sich für ein Notquartier angemeldet; lieber 7 Kinder, sagen wir. Alles wandert. Nichts von Idas Verwandten in Breslau. Bork ist von Königshütte in 6 Tagen gestern heraus gekommen. Ich lese Korrekturen, trotz der großen Zeit; die Kräfte reichen sonst sehr wenig, und es wird notwendig sein, bald mindestens normal zu sein. Frage jetzt bitte auf der Bank nach. Abgegangen ist es. Meide Neuenheim! Meide Tauwetter u. Glatteis! Mach auch am 2.II. keinen ge
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|wagten Versuch. Gedenken hängt davon nicht ab. – Stolp liegt auch nicht günstig. Wo ist Dieter? Unser Günther ist wohl in Opr. im Lazarett geblieben. Die Schwägerin Liselot steckt auch drin, wenn sie nicht als Kapitänswitwe ein Schiff mitnimmt. Aber viel Minen! – Mehr weiß ich für heute nicht. Inniges Gedenken, proportional wachsend mit Krit. Zeit.
<Kopf>
Dein Eduard.

[li. Rand, von fremder Hand] erh. 5.II.