Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 6. Februar 1945 (Berlin, Postkarte)


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6.II.45.   11 Uhr.

Gestern ein Brief
abgegangen. Dies
ist wohl Nr. 11.
M. L! Aufregende Tage! Gestern mit der 8köpfigen Familie, die jetzt im Aufbruch ist,x) [li. Rand] x) Nachts um 4 war wieder Alarm, jetzt eben Voralarm. erschien wie ein Gespenst Heinrich Scholz, der mit bevorzugtester Beförderung von Hirschberg hier nach 60 Stunden angekommen ist und gleich im Hôtel Excelsior, das einen Treffer bekam, den Angriff (schlimmsten aller bisherigen) mitmachte. Soeben Nachricht, daß Konrad Honig (der ältere überlebende Sohn) in O.p. eingeschlossen. Von den Gütern der Honigs östl. Landsberg und den zahlreichen Verwandten dort (von 90–1 Jahr) weiß man nur, daß jetzt der Feind dort ist. – Heinrichs Frau nicht mit ihm gekommen, um Sachen zu retten. Sie wollen weitergehn, hoffentlich glückt es noch. Gestern Telephon v. Frl. Jung. Seminargebäude steht, als eines der wenigen in der Gegend; sonst schlimm. Besonders Schloß hat schwer gebrannt. Post v. auswärts kommt fast garnicht mehr. Zeitung haben wir auch nicht. (Zeitungsviertel getroffen.) – Ich bin wieder gesund, kann aber noch nicht ausgehn. Innige Wünsche u. Grüße Dein Eduard.