Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 5. März 1945 (Berlin/Dahlem, Postkarte)


[1]
|
Dahlem, den 5. März 1945.

Nr. 16.
M. L.  Eingetroffen ist Brief Nr. 12 und Karte Nr. 13 (24.II.), so daß jetzt alles Angekündigte da ist. Viel Neues ist von hier nicht zu berichten. Wir haben seit 15 Tagen jeden Abend einen Angriff gehabt, auch heute Nacht um 3. Bei Tage viel Alarm; man wagt sich nicht in die Stadt zwischen 10 u. 1. So habe ich auch auf der Bank nur schriftlich reklamiert. Die Verbindung zu Hermann hin ist jetzt abgeschnitten. Matussek war hier, kommt als Famulant ans Krankenhaus Lauda, ziemlich exponiert. Annemarie schrieb aus Calw, war also dem Ziel, trotz Tieffliegern, ziemlich nahe. Wir waren am Mi. in Potsdam, ziemlich anstrengend, da es dort keine Elektrische mehr gibt, und mein Zustand bleibt klapprig. Du weißt, wie schlecht ich Lichtlosigkeit vertrage.
Wie war Dein Geburtstag? Hoffentlich durch gute Freunde belebt. – Trotz allem bin ich nach Möglichkeit tätig. In 2–3 Tagen hoffe ich eine Studie über Pestalozzi (I 1946  200. Geburtstag) abzuschließen. Post macht zum 1. Mal in m. Leben keine Mühe mehr. Man hört aber
[2]
| auch wenig von den Freunden. Nur Frau Biermann schreibt jede Woche. Enkelin Monica eingetroffen. – Unsre 2 Zimmer stehn unbenutzt. Wir haben es noch warm. Ernährung wird schwieriger. Die Weidenbäume schimmern schon. Wir hatten 2 Tage Sturm, trotzdem Angriff. Im Seminar wieder die Pappen heraus. Frl. Jung lasse ich frei. Innigste Grüße
Dein E. incl. S.