Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 10. März 1945 (Berlin/Dahlem, Postkarte)


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Dahlem, 10. März 45. Kön. Luise.

Nr. 17.
Eingetroffen zuletzt Nr 14 vom 27.II. }
     "   7.III.     "      Nr 15 vom  1.III. } also lückenlos.
M. L.  Gestern Abend war mal wieder Dahlem an der Reihe. Starke Detonationen im Bunker. Aber am Hause war kein Schaden. In der Nähe 2 starke Feuerscheine; Ort noch nicht festgestellt. In der Nacht explodierten 7 Zeitzünder (besonders heimtückische Steuerung. – Ich muß heute sehr früh nach der Stadt fahren, nicht um Helene von den Müttern, sondern Frl. Jung vom Kurator loszubitten; zweifle aber am Erfolg. Reif ist alles für die Lösung. Die Haberkorn (Dantestr.) ist vom Vater abgeholt und soll nach Grafenbrunn bei Michelstadt. Eine andere stud., Nitz, fährt zum mündl. Examen dorthin. Beide zur Überbringung von Grüßen leider nicht geeignet. Ich habe z. Z. 3 Dissertationen u. jeden Tag eine Besprechung. Pestalozzistudie ist gestern bis auf den Schluß fertig geworden. (90 Seiten.) Die Lichtsperre wird jetzt oft erst nach dem Alarm aufgehoben. – Freue mich sehr über den noch ziemlich friedlich verlaufenen Geburtstag. Jetzt liest man von Koblenz und Bonn, u. die Strecke nach Stolp ist abgeschnitten. Dresden nach allen Nachrichten sehr schlimm.
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Dieter steckt nun wohl auch drin, nicht weit von einem großen Teil meiner Seminarbibliothek. Herr v. KeudellLübbichow ist bei Lüneburg, schrieb mir Forstmeister Faber. – Ich habe Frau u. Ursula Ludwig besucht. Morgen wollen wir noch mal nach Potsdam. Denn das kann Knall u. Fall aufhören. – Ein zerstörtes Haus gesehen!! Ich habe Stadtteile mit 1 unzerstörtem gesehen. – Gestern erzählte Freiburger Studentin, man habe die Verlegung der Phil. Fak. nach der Reichenau oder Donauesch. oder Heiligenberg erwogen. Ihr Lehrer Gerhard Ritter sitzt seit <re. Rand> langem. Innige Grüße D. E. u. S.
[li. Rand von fremder Hand] 14.III.