Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 25. Dezember 1945 (Berlin/Dahlem)


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Dahlem, den 25.XII.45.

Nr. 7.
Nr. 6 (unnummeriert, war Ms.)
erhalten am 23.XII. Brief vom 9.XII.*)
      "      "   21.XII.    "     "    7.XII.*) [unter der Zeile] *) genannt Nr. 1.
Meine einzige Freundin!
Heute nur ganz kurz; denn ich habe neuerdings viel geschrieben, auch an Dich, und lege besonderes Gewicht darauf, daß Du Nr. 6 bekommst. Du siehst am Äußeren, daß ich damals nicht einmal ordentliches Papier hatte. Jetzt hätte ich, dank einem Geschenk, besseres. Es sind das nur Entwürfe, nicht etwa für den Druck fertige Elaborate.
Gestern verlief, unter lebhaftem Gedenken an Dich, so: Vorm. kam Theo. Von ihm konnte ich Dir noch niemals schreiben. Das ist der kommunistische Freund, den mir Gott im Gefängnis zum Trost gegeben hatte. Er hatte Zuchthaus gehabt und war nicht entlassen, sondern in Schutzhaft geblieben. So war er
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| als "Calefaktor" in Moabit tätig. Eine feine, tiefe Seele, ein Mensch von klarstem Gold. So haben ihn auch meine zum Tode verurteilen Schicksalsgenossen kennen gelernt: Ernst v. Harnack, Haushofer jr., General v. Rabenau, Jessen u. andere; ebenso der überlebende Minister Hermes. Wir sehen uns ziemlich oft, leider immer nur kurz.
Nachm. kamen Rauhuts nicht. Klaras Rippenfellentzündung hatte sich zur Lungenentzündung entwickelt. Wir besuchten sie am Nachm. und fanden das ganze Haus in der Räumung. Die Amerikaner evakuierten es – am Heiligen Abend. Es ist das 4. Mal, daß die beiden über 70jährigen aus ihrer Wohnung herausmüssen! Klara soll, wenn es geht, morgen ins Krankenhaus.
Heute waren wir (ab Wannsee geht es nur per Dampfer) in Potsdam. Hans Honig ist noch nicht zurück. Trübe Verhältnisse! Morgner ist auch aus dem Amt herausgesetzt. – Hast Du den Brief <li. Rand> über das Lotterweib inzwischen erhalten? Ich habe genau nummeriert. Merke also, meine <Kopf> Liebe: wenn 1 Nummer fehlt, ist ein Brief verloren.
<li. Rand S. 1> Es gäbe noch viel. Aber ich kann heute nicht mehr. Innigste Grüße für 1946. Dein Eduard u. Sus.
[re. Rand S. 1] Freue mich über Frommherzens! Und über <Kopf> Deinen Ofen!