Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Sprange, 25. Januar 1945 (Heidelberg, Postkarte)


Heidelberg. 25.I.1945. M. l. H. Nun bin ich also dazu verdammt Karten zu schreiben, was ich mein Lebtag so ungern getan habe. Vorhin kam eine von dir, (No. 5, 23.I.45.) die von überraschendem Zuwachs der Hausbewohner meldete. Und so wird es weitergehen. – Hier ist der Durchstrom auch stündlich zu beobachten. – Mit Alarm sind wir mäßig bedacht, meist Tiefflieger; aber nachts können wir meist durchschlafen, ein Vorzug, den ich sehr zu schätzen weiß. Statt dessen ist der Verkehr mit der Stadt immer schwieriger, da der tiefe Schnee die Elektrische behindert und sie infolgedessen noch mehr überfüllt ist. Öfters muß ich durchwaten, und denke dabei an märkischen Sand. Das geht solange kein Tauwetter ist. – Eben erwarte ich Ursel Kohler zum Kaffee, die aber wie meist, nicht pünktlich ist. Die Neuenheimer sehe ich überhaupt wenig, da man die Brücke scheut wegen der Absperrung bei Alarm. – Von mir sind Briefe an Dich seit dem 8. – vom 15. 17. u. 21. – Das wird ja so nach und nach angekleckert kommen. Eins davon ist eingeschrieben. – In meinem Geldbeutel steckt ein Vorortfahrschein BerlinPotsdam. 18.1.4. weißt Du noch? Nichts von alledem ist bei mir vergessen! – Von der Familie weiter keine Nachricht. Ich denke mit Sorge an Stolp. Und die arme 80jährige Anna Weise in Breslau. Nun auch dort ohne Dach. Die Uni geht hier ruhig weiter, aber die Schulen sind nur wenig in Betrieb, teils wegen Kohlenmangel. – In der Ferne brummelt es dumpf. <unleserliches Wort> Mannheim scheint nicht mehr anziehend.
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| Am 2.II. wird man nicht mal auf den Friedhof gehen können, denn der Schnee liegt zu hoch. – Mit Richard III. habe ich jetzt wohl den Höhepunkt des Grauens erreicht. Hoffentlich steigert es sich nicht noch. Aber man ist auf alles gefaßt. Es ist schwer, so von jeder Aussprache abgeschnitten zu sein. Möchte wenigstens der Kartenverkehr weiter über alle Ereignisse Nachrichten möglich machen. Ich bereue sehr, nicht noch rechtzeitig einige Päckchen geschickt zu haben. Doch eine Sorte Mentholpastillen ging nicht mehr zu schicken. Viel treue Grüße und Wünsche Dir u. Susanne. D. K.