Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 29. Januar 1945 (Heidelberg, Postkarte)


<von KH falsch datiert – der Poststempel ist vom 29.1. und lt. ihrem Brief vom 31.1. ist das korrekte Datum der 29.1.>
[1]
|
Heidelberg. 22.I.45. M.g.H. Als ich mich gestern, wie gewohnt am Sonntag abend zum Schreiben setzen wollte, kam Alarm und es ging mit Unterbrechung bis 13h. Ereignet hat sich nichts als endlose Durchflüge; man spricht von Stuttgart? Aber daß in Berlin von Sonnabend nach Sonntag Angriff war, höre ich mit Sorge von Leuten mit Radio. Ich habe in der Nacht so besonders lebhaft von dir geträumt und wollte es dir schon schreiben. Es war natürlich ein krauses Gemisch von Erinnerung und Phantasie. – Im übrigen wartet man eigentlich nur noch auf neue Traumbotschaften und hört nicht auf für seine Lieben zu wünschen und zu hoffen. – Von Anna Weise noch keine Nachricht. Auch die "Wahrsagersche" ist in Oberschlesien; ebenso an der Grenze war Gretel Schwidtal beim KLV als Leiterin. Hoffentlich in Sicherheit, wie die Zeitung sagt.
Und dabei die Kälte. Täglich schneit es noch von neuem. Wir sparen natürlich mit den Kohlen ungemein. Normaltemperatur 10°R. im Zimmer. Draußen am Fenster 3–4 minus. – Zeichnen ist eben nicht. Es war mir lieb, denn mein Stirnhöhlenkatarrh wollte nicht weichen. Jetzt behandle ich mit Kamillenspülung auf eigne Verordnung, das scheint zu helfen. Es ist natürlilch nicht gut, wenn man immer wieder in die kalte
[2]
| Luft hinaus muß. – Alle Arbeit geht furchtbar langsam und das Unerledigte wächst. – Man braucht jetzt eigentlich nicht mehr Shakespeare zu lesen. Dramen und Wirklichkeit überbieten sich.
Wann werde ich wieder von dir hören? No 4, wahrscheinlich ein Brief, ist erst jetzt eben im Kasten, gleichzeitig mit einem vom 20.XII. von Lucie Ruge, Günthers Frau aus Albertshofen bei Kitzingen. Es ist doch ordentlich, daß immer noch alles ankommt, wenn auch spät. Ich antworte auf den Brief noch bald. Heut nur innigste Grüße und Dank. Möchte Dahlem wieder so verschont wie wir. Grüße auch Susanne vielmals.
D. K.