Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 18. Februar 1945 (Heidelberg, Postkarte)


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Heidelberg. 18.II.45. No 11. – M. l. H. Es ist ein stiller Sonntag bei uns und nur ein dumpfes Grollen in der Ferne redet vom Krieg. Desto mehr ereignet sich in Eurer Gegend und mit Schmerzen spüre ich stündlich die große Entfernung und unüberbrückbare Trennung. Selbst Dielbach rückt immer ferner, denn die Eisenbahnbrücke bei Neckargemünd liegt im Nackar. Wir Heidelberger aber haben es immer noch unverhältnismäßig gut. – Von Hermann bekam ich gestern einen Brief vom 31.I. Er ist natürlich in St., seine Frau im Krankenhaus in Schlema, Irmgard noch im Nordseesanatorium, Dieter in Treptow/Rega, Helga vermutlich nach Greifswald gekommen, und Gisela nach Bremen. Schulen sind geschlossen, aber St. wurde nicht geräumt, sagt der Gauleiter. – Auch hier ist bei den meisten Leuten der Wille zu bleiben stark. Ob es durchführbar bleibt, ist abzuwarten. Allgemeine Stimmung recht <unleserliches Wort>, vielfach auch streitsüchtig. Dagegen im Hause gut. Was magst Du von meinen Briefen bekommen haben? Ich schrieb am 29. u. 31.I., am 5.II., 11.II. 15.II. 1 K. u. 4 Briefe. Außerdem etwa um den 8.II. einen Brief zum 19. für Susanne. – Inzwischen entwickeln sich die Dinge rasch und doch für unsre Wünsche nicht rasch genug. Morgen werde ich ganz besonders mit meinen Wünschen bei Euch sein, obgleich das eigentlich beständig der Fall ist.
Seid herzlichst gegrüßt. In treuem Gedenken
D. K.

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|[von fremder Hand] 23.II. erh.