Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 20. Februar 1945 (Heidelberg)


[1]
|
No 12.
Heidelberg. 20.II.45.

[von fremder Hand] 27.II.
Mein geliebtes Herz!
Seitdem am 9. die Zeitung von einem Angriff auf Berlin meldete, habe ich direkt noch nichts gehört. Geschrieben habe ich am 29 I., 31.I., 5.  11.  15.  18.II, und dazwischen einen Brief an Susanne. Ich erwähne das nur zur Kontrolle. Es scheint mir, als ob die Post von uns zu Euch noch ungewisser sei als umgekehrt. Denn wenn auch bisweilen in etwas verkehrter Reihenfolge so ist doch alles von Dir vom 1.–11. (eigentlich 10) angekommen, zuletzt noch No 8, das schon durch Brief (5.) u. Karte (6.II.) überholt war. Von uns ist nach wie vor zu melden, daß endlose Einflüge über uns hingehen, daß hie und da ein Tiefflieger eine Bombe absetzt oder Bordwaffen benutzt, aber alles in angemessener Ferne. Dagegen wird das Neckartal übel heimgesucht. Die Eisenbahnbrücke, von der ich schrieb, ist allerdings nicht getroffen, sondern eine Straßenüberführung, die den Verkehr bis Neckargemünd lahmlegte, und wobei es erhebliche Opfer an Menschenleben gab.
[2]
|
Auf der Sparkasse, wo ich zum 3. mal war, riet man mir, Dir zu melden, daß noch nichts eingetroffen sei. Vielleicht kannst du auf der Bank reklamieren. Die Überweisung ist vielleicht bei einem Angriff auf die Bahn verbrannt.
Von Hermanns Brief schrieb ich Dir. Er ist vom 31. Januar. Ich sorge mich sehr um ihn, und nicht weniger um Euch. Wie es scheint, wird Berlin nicht geräumt. Wohin sollten auch all die Menschen! Es wird gesagt, Karlsruhe werde beschossen; aber ich habe es nicht verbürgt und die Nachrichten auch aus guter Quelle sind oft falsch, wie bei der Brücke in Neckargemünd. – Während ich schreibe, gibt es in großen Zwischenräumen schwere Detonationen, die das Haus erschüttern; vielleicht Abschüsse bei uns. Flieger sind im Augenblick nicht da.
Und so leben wir, immer mit wachem Ohr, aber in gewohnter Weise dahin. Jede unbedrohte Stunde erlebt man bewußt und dankbar; aber man beschränkt sich in allen Vorhaben. Nötige und unnötige Arbeit lenken ab und der einzige Wunsch für die Zukunft ist, die Lieben in der Ferne noch wiedersehen zu dürfen. Sonst wäre einem das Leben leid.
Mit den innigsten Gedanken immer um dich grüßt dich mit vielen guten Wünschen für Euch beide
Deine Käthe.