Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 2. März 1945 (Heidelberg)


[1]
|
2.II.45
Mein lieber Einziger! Wie froh bin ich, daß einmal wieder Nachricht kam! Heute schon traf der Brief von Susanne ein, der am 23. geschrieben ist. Das ist die erste Nachricht seit dem 23., an dem die Karte vom 17. [über der Zeile] No 13 eintraf. Ich lasse mich sehr herzlich bedanken und freue mich vor allem, daß sie schreibt, Du habest Arbeitspläne erwogen. Möchten die äußeren Umstände es durchführbar machen. Auch ich empfinde die Zunahme der hellen Tagesstunden wohltuend, aber im ganzen fühle ich mich "nicht auf der Höhe" und neige etwas zu erhöhter Temperatur. Es wird wohl ein wenig Grippe sein mit unbestimmter Lokalisierung. –  – Zu den Shakespearschen Dramen bin ich auch noch nicht wieder zurückgekehrt. Aber deprimierend
[2]
| haben sie nicht auf mich gewirkt, sondern eher stählend. Es sagte mir: so war es immer bei den Menschen! Das ist eben das Leben, gegen das man sich behaupten muß.
Auf der anderen Seite aber erfahre ich in meinem Lebenskreise so viel Gutes, daß es mich so recht von innen heraus wärmt. – Auch ich gehe viel in der Dämmerstunde zu den gleichgesinnten Bekannten und erfahre auch allerlei Fürsorge und Hilfsbereitschaft, ungesucht! Und die Menschen sprechen so viel offener und vertrauender als sonst. Manchen kennt man garnicht wieder! So z. B. die Angehörigen vom Vorstand!! – Nun nochmals die innigsten Grüße!
Deine Käthe.