Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 9. März 1945 (Heidelberg)


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Heidelberg. 9.III.45.

No. 17
[von fremder Hand] 16.III.
Mein Liebstes,
heut schon kam Deine Karte vom 5.III. an und vorgestern die vom 26.[über der Zeile] II., die von dem schweren Angriff berichtete. Der Aufenthalt im Bunker ist sicherlich nicht angenehm und die Luft wird durch die vielen Hunde nicht besser. Aber Ihr habt doch einen Bunker und wir nicht, nur einen schmalen Gang im Keller, wo die Düfte des Hühnerstalls das Aroma liefern.
Zu erzählen habe ich auch nichts Wesentliches, denn noch liegt die Entwicklung der Dinge in der Zukunft verborgen und wir bemerken hier keine große Veränderung. Man sieht viel Soldaten, auch unsre nahe Kaserne ist wieder belegt, man hört schießen und sieht Flugzeuge, die mit und ohne Alarm am Himmel erscheinen.
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| In den letzten Tagen war wenig Alarm, d. h. nur Warnung und dann erfolgte nichts, sogar durchschlafen konnten wir mehrfach. Aber dann denkt man immer an die Armen, die es anderswo traf – vielleicht Berlin!! Mit Schmerz höre ich, daß Ihr bereits anfangt zu hungern. So weit sind wir hier noch nicht. Aber es gibt doch immer überraschende Neuigkeiten in Bezug auf die Dinge, die – augenblicklich nicht zu haben sind.
Schwer liegt mir die Sorge um alle Lieben in Pommern auf der Seele. Wann wird man da eine Nachricht haben können?! Auf Rügen ist es auch bedroht. Die drei jungen Mütter dort ohne jeden Schutz.
Heut nur diesen kurzen Gruß, mein liebes Herz. Wir sind hier förmlich entschlossen zu bleiben. In der Stadt wurde schon aufgefordert freiwillig zu gehen, alte Leute und Mütter mit kleinen Kindern. Aber die Aktion sei schon wieder abgeblasen. Habe Dank für Deine lieben Nachrichten und sei mit Susanne herzlich gegrüßt.
<Kopf>
In stetem Gedenken
Deine Käthe.

[li. Rand] Furchtbares hört man von Dresden. Über Anna Weise, die dorthin wollte, <li. Rand S. 1> erfuhr ich noch nichts. Ich bin froh, daß Frau Heß gut ankam. Jemand hat von Würzburg hierher 6 Tieffliegerangriffe erlebt.